Am Morgen vor der Wahl trug Daniela Schadt noch ein Namensschild um den Hals, auf dem stand: „Gast, Protokoll, Tribüne“, als hätte es Zweifel geben können, wer die Frau sei, die da am Arm der Hauptperson des Tages erschien. Daniela Schadt, 52 Jahre alt, ist seit zwölf Jahren Lebensgefährtin von Joachim Gauck.

Das Schildchen – vielleicht war es einfach die Gewohnheit der Journalistin. Oder hatte sie Zweifel gehabt, ob man sie erkennen würde? Vielleicht. „Dass ich innerhalb von nicht einmal zwei Jahren zweimal in der Bundesversammlung sitze und der Bundespräsidentenwahl zuschaue, hätte ich nie zu träumen gewagt“, hatte die Journalistin der „Nürnberger Zeitung“ kurz zuvor anvertraut. Das Interview mit der designierten First Lady wurde per Du geführt – Daniela Schadt verabschiedete sich damit von ihren Kollegen. 26 Jahre war sie bei der „Nürnberger Zeitung“, zuletzt als Ressortleiterin für Innenpolitik. Ihr Chefredakteur gab ihr mit auf den Weg, sie könne jederzeit zurückkehren. Unter ihren Kollegen gilt sie als meinungsstark und humorvoll. An die neue Rolle muss sie sich erst gewöhnen.

Als künftige Beschäftigung könne sie sich ein Ehrenamt vorstellen, sagte sie der „Bild am Sonntag“. Es gebe ja „schon sehr schöne und sinnvolle Projekte, die von Frau Wulff und ihren Vorgängerinnen wahrgenommen wurden. Ich werde womöglich ein paar neue Akzente setzen, aber keine großen Umstürze planen.“

Als Erstes wird sie sich damit abfinden müssen, dass nun alles, was sie sagt, tut oder auch trägt, symbolische Bedeutung bekommt – ebenso das, was sie nicht sagt, trägt oder tut. Dabei wird es wohl nicht ums Aussehen gehen wie bei ihrer Vorgängerin Bettina Wulff. Diese erschien zu Empfängen gern in so eleganten wie teuren Designerkostümen, was wiederum Diskussionen auslöste: War das Werbung? Oder angemessenes Auftreten?

Daniela Schadt sagt über sich selbst: Bisher habe sie am liebsten Jeans und Pulli getragen, das sei am praktischsten, zumal sie mit dem Rad zur Arbeit fuhr. Zur Präsidentenwahl kam sie im grauen, zweiteiligen Kostüm, über das sie in der „Bild am Sonntag“ schlicht sagte, sie habe es höchstens zweimal getragen und finde, „das gilt dann noch als neu“. Zum Hersteller machte sie keine Angabe.

Die erste Schlagzeile, die neue First Lady betreffend, kam ausgerechnet von der Feministin Alice Schwarzer. Sie rechne mit einer baldigen Hochzeit von Gauck und Schadt, sagte diese am Rande der Bundesversammlung. Das sei auch aus protokollarischen Gründen viel praktischer, und sie hoffe, dass Schadt nach einer Hochzeit ihren Namen behalte. So könne sie ein Zeichen für andere Frauen setzen. Schadt wird ihren Namen wohl behalten, wenn auch aus anderen Gründen: Nur aus protokollarischen Gründen zu heiraten, das fände ich auch nicht richtig“, sagte sie. Daniela Schadt ist unverheiratet, hat keine Kinder. Der neue Bundespräsident lebt seit 1991 von seiner Frau, mit der er vier Kinder hat, getrennt. Bisher hatten das jetzige Präsidentenpaar getrennte Wohnsitze, sie in Nürnberg, er in Berlin. Wahrscheinlich sei es nun sinnvoll, die Dienstvilla des Präsidenten in Dahlem zu beziehen, sagte Schadt. Auch wenn sie Gauck auf einem Teil seiner Reisen und Termine begleitet – viel private Zeit wird den beiden nicht bleiben.

So saß die neue First Freundin bei der Wahl des Bundespräsidenten nur als Beobachterin auf der Tribüne, winkte und lachte, als das Ergebnis verkündet wurde. Sie wird die zuckenden Mundwinkel ihres Lebensgefährten bemerkt haben, der zwischen Lachen und Weinen um Fassung rang.

Doch die ersten Blumen überreichte die Bundeskanzlerin, den ersten Kuss bekam Gauck von Renate Künast. Nach seiner Rede schickte Gauck ein erleichtertes Lächeln Richtung Tribüne – und legte sich kurz die Hand aufs Herz, eine Geste, die nur eine Adressatin haben konnte. Das neue Präsidentenpaar wird viele Signale setzen. Eines davon ist sicher dieses: Liebe ist auch ohne Trauschein möglich.