Debatte um Wulffs Nachfolge

Von Töpfer über von der Leyen bis zu Gauck

Nach zehn Wochen Dauerkritik und angesichts drohender strafrechtlicher Ermittlungen hat Bundespräsident Christian Wulff seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Jetzt ist die Diskussion um seine Nachfolge entbrannt – dabei fallen viele Namen, doch nur wenige Kandidaten haben tatsächlich eine Chance.

Wenn die Deutschen den Bundespräsidenten direkt wählen könnten, würden etliche von ihnen für Günther Jauch und Ex-Bischöfin Margot Käßmann stimmen – aber beide kandidieren nicht. Gesucht wird eine Persönlichkeit, die möglichst von allen Parteien unterstützt wird. Aktive Politiker der schwarz-gelben Koalition, vor allem Kabinettsmitglieder, haben deshalb nicht die besten Karten. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die schon beim letzten Mal zur Diskussion stand, letztlich aber gegen Wulff den Kürzeren zog, ist dennoch wieder im Gespräch.

Mit ihr würde wieder Glamour in Schloss Bellevue einziehen, ihre Beliebtheit im Volk ist unbestritten. Doch in der Unionsfraktion begegnen ihr viele mit Vorbehalten, insbesondere die einflussreichen Baden-Württemberger, denen Leyen zu progressiv ist. Etwas anders ist es bei Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU), der ein enger Vertrauter der Kanzlerin ist und sich schon nach dem Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenbergs als Troubleshooter bewährt hat. Auch in der SPD ist de Maizière geschätzt. Die Genossen kennen ihn, weil er zu Zeiten der großen Koalition das Kanzleramt souverän führte.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der einst Ambitionen auf den Job in Bellevue hatte, fällt auch wegen seines schlechten Verhältnisses zu den Liberalen als Nachfolger aus. Die FDP hat seine Kandidatur schon einmal vereitelt. Für die SPD wurde der Name von Frank-Walter Steinmeier genannt. Für den Vorsitzenden der Bundestagsfraktion gilt allerdings das Gleiche wie für die Unionspolitiker: Er steht mitten in der Tagespolitik. Größere Chancen haben Persönlichkeiten, die nicht mehr aktiv im Geschäft sind.

Aus dem Lager der Unionsparteien wird immer wieder der frühere Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) genannt, der lange Jahre Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen war. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) wird parteiübergreifend geschätzt, seine geschliffenen Reden sind legendär.

Auch 2010 galt Lammert als heißer Kandidat auf die Nachfolge Horst Köhlers. Tatsächlich ist Lammerts Kompetenz unbestritten – allerdings auch seine Eitelkeit, mit der er Abgeordnete vor den Kopf stößt. Die CSU bringt inzwischen ihren Ex-Chef Edmund Stoiber ins Gespräch, auch der Name von Ex-Finanzminister Theo Waigel fällt. Beide gelten aber parteiübergreifend nicht als konsensfähig. Die Grünen hatten das letzte Mal zusammen mit der SPD den Bürgerrechtler und ehemaligen Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, Joachim Gauck, aufgestellt. Sein Name fällt auch jetzt wieder, und beide Parteien würden ihn auch diesmal wieder wählen. In der Union war und ist Gauck ebenfalls beliebt. Fraglich ist aber, ob sie den offiziellen Oppositionsgegenkandidaten zu Wulff ohne zu großen Gesichtsverlust unterstützen kann.

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