Bundespräsident Christian Wulff erwartet nach einem Bericht von Welt Online von seinem Ex-Sprecher Olaf Glaeseker eine Stellungnahme zu den Bestechlichkeitsvorwürfen, die die Staatsanwaltschaft Hannover gegen Glaeseker erhebt. Wie eine Sprecherin mitteilte, habe das Präsidialamt unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe in den Medien auch Glaeseker um eine Stellungnahme gebeten. „Diese Stellungnahme liegt noch nicht vor“, sagte die Sprecherin.

Eine Entscheidung, ob Glaeseker mit einer Kündigung oder anderen arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen muss, sei noch nicht gefallen, heißt es unter Berufung auf das Bundespräsidialamt. Man warte das Ergebnis der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover ab. Eine mögliche strafrechtliche Verurteilung könne „Auswirkungen auf das derzeit ruhende Arbeitsverhältnis mit dem Bundespräsidialamt haben“.

Vergangene Woche hatte die Staatsanwaltschaft Glaesekers Arbeitsraum im Präsidialamt durchsucht.

Trotz neuer Vorwürfe gegen den Bundespräsidenten bleibt dessen Anwalt Gernot Lehr dabei: Wulff habe keine Geschäftsbeziehungen zu dem Unternehmer Egon Geerkens unterhalten, dessen Ehefrau Wulff den umstrittenen Privatkredit für sein Haus gewährte. Hintergrund ist ein Bericht, wonach die Osnabrücker Kanzlei, bei der Wulff früher als Anwalt tätig war, unter anderen auch Geerkens betreute, der zudem auch der Vermieter der Kanzleiräumlichkeiten war. Der Umstand, dass Geerkens Vermieter und Mandant der Kanzlei Funk, Tenfelde und Partner gewesen sei, „begründet keine Geschäftsbeziehung von Christian Wulff zu Egon Geerkens“, so Lehr. Im Niedersächsischen Landtag hatte Wulff 2010 eine Frage nach geschäftlichen Beziehungen zu Geerkens verneint. Lehr betonte, Wulff habe seine Tätigkeit für die Kanzlei 1994 eingestellt.

Die SPD verschärfte den Ton. Offensichtlich sitze ein „Pinocchio“ im Bundespräsidialamt, sagte Generalsekretärin Andrea Nahles N24. Sie forderte Wulff auf, Bilanz zu ziehen, „ob er wirklich noch Vorbild sein kann“. Ähnlich äußerte sich der Fraktionschef der niedersächsischen Grünen, Stefan Wenzel. „Es wird immer offensichtlicher, dass Wulff nicht nur die halbe Wahrheit gesagt hat, sondern den Landtag nach Strich und Faden hinters Licht geführt hat“, sagte Wenzel der „Frankfurter Rundschau“.

dpa/dapd/sei