Charlotte Knobloch

"Bislang hatten die Neonazis zu leichtes Spiel"

Scharfe Kritik der Ex-Präsidentin des Zentralrats der Juden: Die deutschen Behörden seien bei der Aufklärung der Neonazi-Morde viel zu unentschlossen vorgegangen, so Knobloch.

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Die langjährige Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, dringt auf drastische Konsequenzen aus der Neonazi-Mordserie. „Trotz aller anderslautenden Selbstverpflichtungen an den Gedenktagen für die Opfer des Nationalsozialismus: Bislang hatten die Neonazis zu leichtes Spiel“, schreibt Knobloch in einem Gastbeitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ zum Holocaust-Gedenktag.

Zu keiner Zeit sei gegen die militante Rechte so entschlossen vorgegangen worden, wie es nötig gewesen wäre. Das müsse sich jetzt ändern.

"Den Feinden von Freiheit und Frieden entgegentreten"

Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus war 1996 proklamiert und auf den 27. Januar festgelegt worden. An diesem Tag war 1945 das Vernichtungslager Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit worden.

„Es ist an der Zeit, den Feinden von Freiheit und Frieden entgegenzutreten“, schreibt Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Es sei bis heute nicht fassbar, dass die Neonazi-Zelle wegen mangelnder Kommunikation unter den Behörden unentdeckt geblieben sei.

„Schließlich will sich niemand vorstellen, dass Verfassungsschützer quasi wie am Roulettetisch Geld auf V-Leute setzen – in der vagen Hoffnung, so sachdienliche Hinweise zu gewinnen, immer aber auch in der Furcht, dass diese Leute das Geld vom Staat nutzen, um rechtsextreme Propaganda zu betreiben.

Ein Neonazi-Trio soll in den Jahren 2000 bis 2007 bundesweit insgesamt zehn Menschen ermordet haben. Opfer waren Kleinunternehmer mit ausländischen Wurzeln sowie eine Polizistin.