Comeback-Verzicht

Zum Geheimtreffen brachte Guttenberg einen Brief mit

Karl-Theodor zu Guttenberg trifft sich mit Horst Seehofer in der Staatskanzlei und versucht, seine CSU-Parteifreunde per Brief versöhnlich zu stimmen.

Die Karriere von Karl-Theodor zu Guttenberg bei der CSU war schon immer Chefsache. Zuletzt wurde sie fast zu einem Geheimkommando: "Niemand wusste von unserem Gespräch", sagte CSU-Vorsitzende Horst Seehofer über sein Treffen mit Guttenberg am Donnerstagabend.

Tags drauf sagte Seehofer in der CSU-Landesleitung das Comeback des smarten Ex-Wirtschafts- und Ex-Verteidigungsminister ab. "Er hat mir mitgeteilt, dass er sich 2013 nicht für ein politisches Mandat bewerben wird." Guttenberg habe dafür "sehr persönliche Gründe", wie der CSU-Chef betonte.

Seehofer und Guttenberg hatten in den in den vergangen Tagen und Wochen immer wieder telefonischen oder SMS-Kontakt. Am Donnerstag reiste der 40-jährige Guttenberg eigens aus den USA an. Vom Frankfurter Flughafen ging es in die Münchner Staatskanzlei. Für 18 Uhr war das Gespräch angesetzt.

Geheim-Gespräch machten CSU-Politiker nervös

Schon zwei Stunden später wurden in einem Telefonrundruf Journalisten für eine Pressekonferenz am Freitagvormittag eingeladen, das Thema blieb geheim. Das beunruhigte offenbar auch CSU-Politiker, die von der Sache Wind bekommen hatten. "Es konnten in der Nacht nicht alle Anrufe beantwortet werden", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt.

Noch am Abend fuhr Guttenberg offenbar zu seinen Parteifreunden in der Nähe seiner oberfränkischen Heimat Kulmbach. Auch sie informierte er persönlich über seinen Verzicht.

Wie lange das Geheim-Gespräch in der Staatskanzlei dauerte, konnte Seehofer nicht mehr sagen. Es gab jedenfalls keine große Diskussion. "Ich wusste, als wir zusammentrafen, dass er und die Familie eine Entscheidung getroffen hatten", sagte Seehofer.

Guttenberg hatte bereits einen eineinhalbseitigen Brief im Gepäck, in dem er seinen vorläufigen politischen Rückzug begründete – in einem sehr bescheidenen, fast demütigen Tonfall. "Es wäre nicht der richtige Zeitpunkt und ich habe auch aus meinen Fehlern zu lernen", schreibt der Baron.

Guttenberg will Parteifreunde versöhnlich stimmen

Nachdem er in seinem kürzlich veröffentlichten Buch "Vorerst gescheitert" seine Partei noch deutlich kritisiert hatte, wollte Guttenberg jetzt offenbar die aufgebrachten Parteifreunde versöhnlich stimmen. "Nicht jede meiner Reaktionen und Äußerungen im vergangenen Jahr, das ich als sehr extrem empfunden habe, war klug. Rückblickend waren auch die letzten Wochen missglückt, die vielen, obgleich es nicht meine Absicht war, wie eine Comeback-Inszenierung erschienen."

Ausdrücklich dankte zu Guttenberg der CSU für ihre Solidarität. Auf die Diskussion um seine Doktorarbeit, die an zahlreichen Stellen abgeschrieben war, geht er in seinem Brief an die Parteimitglieder nicht ein.

Er streicht auch zum zweiten Mal einen geplanten Auftritt bei der Verleihung des Karnevalsordens wider den tierischen Ernst in Aachen. Er werde alle Zusagen zu öffentlichen Veranstaltungen wieder zurücknehmen, er bitte um Verständnis, schreibt er. Es wäre der erste öffentliche Auftritt Guttenbergs in Deutschland seit seinem Umzug in die USA gewesen.

Seehofer – "Gewinn für die Familie Guttenberg"

Seehofer lobte Guttenbergs Entschluss als einen sehr ehrenhaften Schritt: "Ich habe ihm gesagt, dass ich für seine Entscheidung Respekt und sehr viel Verständnis habe." Es sei richtig, ihm jetzt die Zeit zu geben, um zur Ruhe zu finden. Auf die Frage, ob der Rückzug des einstigen Hoffnungsträgers der CSU, der Partei nun schade, oder bei den Wahlen 2013 eher nützen werde, wollte sich Seehofer nicht einlassen.

"Bei einer so respektablen Entscheidung gibt es keinen Schaden. Es ist auf jeden Fall ein Gewinn für die Familie Guttenberg", sagte der CSU-Chef. Seehofer betonte aber auch, dass eine Wiederkehr zu Guttenbergs "durchaus eine Option bleibt". Zu Guttenberg sei schließlich ein in allen Poren politischer Mensch". Jetzt sei es nur um die Frage gegangen, wie lange er sich zurückziehe.

Der designierte SPD-Spitzenkandidat für die bayerische Landtagswahl, Christian Ude, amüsierte sich über die Entwicklung. "Das ist wohl die Nachricht des Tages, nachdem die CSU und vor allem Horst Seehofer es derart frohgemut und optimistisch angekündigt haben, ist jetzt wohl die Verwunderung weit über Bayern hinaus doch sehr groß", sagte der Münchener Oberbürgermeister. Die Geschichte lehre, "wie seriöse und belastbar Ankündigungen und Versprechungen des bayerischen Ministerpräsidenten" seien, spottete Ude.


Seehofer nahm den Verzicht Guttenbergs betont gelassen auf. Besondere Anstrengungen, den Baron aus Oberfranken zu halten, unternahm er bei dem Vier-Augen-Gespräch nicht. Hätte Guttenberg Ansprüche auf eine erneute Kandidatur für den Bundestag angemeldet, hätte er das aber auch akzeptiert.

Noch vor einem Jahr musste sich Seehofer gegen den vermeintlichen Herausforderer zu Guttenberg zur Wehr setzen. Im Vorfeld der traditionellen Klausurtagung im Wildbad Kreuth wurde in der CSU bereits darüber spekuliert, ob "KT", wie er in Parteikreisen genannt wird, für den CSU-Vorsitz kandidieren werde. Kurze Zeit später kam die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit ins Rollen. Karl-Theodor zu Guttenberg, der als einer der größten jungen politischen Talente der CSU galt, verstrickte sich heillos in seinen Erklärungs- und Entschuldigungsversuchen.

Inzwischen ist die Führungsposition von Parteichef Seehofer unumstritten. Jetzt um so mehr. Als der CSU-Chef Guttenbergs Verzicht erklärte, wer der schon wieder auf dem Weg "dorthin, wo man abhebt – ich meine den Flughafen", wie Seehofer lächelnd betonte.