Angst vor Wahlkampf

Nord-CDU fordert vollständige Aufklärung von Wulff

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Die Wulff-Affäre droht den Wahlkampf in Schleswig-Holstein zu belasten. CDU-Kandidat de Jager fürchtet um seinen Erfolg. Auch zum Kredit gibt es neue pikante Details.

Der Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein, Jost de Jager, fordert mehr Klarheit von Bundespräsident Christian Wulff. Auf "NDR Info" sagte de Jager, Wulff habe in seinem Fernseh-Interview selbst Transparenzstandards gesetzt.

Er wünsche sich, dass dieser sich nun daran hält. Der Bundespräsident solle "proaktiv Klarstellung betreiben".

Zu Rücktrittsforderungen von Parteikollegen äußerte sich de Jager zurückhaltend: "Wenn Wulff es schafft, Antworten zu geben, die keine Mehrdeutigkeiten enthalten, dann gibt es für solche drastischen Schritte auch keinen Grund".

Nach Einschätzung de Jagers belastet die Affäre nicht die CDU in Schleswig-Holstein im Wahlkampf. Sie sei für die Bürger keine parteipolitische Angelegenheit.

Es gehe darum, aufgrund des Staatsverständnisses dafür zu sorgen, dass der Bundespräsident seine Autorität bald wieder gewinnt.

Auch Kanzlerin Merkel nahm Wulff bei der Klausurtagung in Kiel erneut in die Pflicht: "Wenn sich neue Fragen stellen, müssen neue Fragen beantwortet werden", sagte sie.

Gleichzeitig betonte sie ihre Wertschätzung für den Bundespräsidenten. Medien hätten das Recht, Fragen zu stellen, da sie "Mittler zwischen Parteien und Bürgern" seien. Sie schätze die Arbeit des Präsidenten, betonte Merkel.

Niedersachsens Regierungschef David McAllister (CDU) distanzierte sich erstmals von seinem Amtsvorgänger Christian Wulff. Zudem sagte er zu, dessen Kreditaffäre vollständig aufzuklären. "Sollte es falsche Auskünfte der Landesregierung gegenüber dem Parlament gegeben haben, werden wir sie richtigstellen, sagte McAllister der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Manche Fragen werde aber nur Wulff selbst beantworten können.

"Katastrophe, Dilettantismus, Unbeherrschtheit"

Während die Kanzlerin noch den Deckel draufhält, kocht es an der Basis weiter. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann nannte das Krisenmanagement des Staatsoberhauptes "schlichtweg eine Katastrophe".

Dazu kämen "der Dilettantismus und die Unbeherrschtheit" im Umgang mit der Presse, die auf eine gewisse Überforderung zurückzuführen seien, sagte die sächsische Politikerin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Die Glaubwürdigkeit des Bundespräsidenten bröckelt immer weiter."

Auch der forschungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Martin Neumann, äußerte Zweifel, dass Wulff seine Glaubwürdigkeit noch zurückgewinnen könne. "Ich appelliere an das Verantwortungsgefühl und die Weitsicht des Präsidenten", sagte er.

Wandelte Wulff den Kredit wegen der "Bild"-Recherche um?

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann wiederholte seine Rücktrittsforderung an Wulff. "Der Bundestagspräsident wäre gut beraten, mit Anstand und Würde den Hut zu nehmen und das Schloss Bellevue zu verlassen", sagte Wellmann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Allein die Tatsache, dass Wulff "nachhaltig und ohne absehbares Ende im Gerede ist, lässt das Amt und seinen Inhaber Schaden nehmen".

Pikant sind auch neue Informationen der Zeitung zum Wulff-Kredit: Demnach könnte der Bundespräsident sein Darlehen umgewandelt haben, weil er von Recherchern verschiedener Medien erfuhr.

Am späten Vormittag des 25. Novembers habe Wulffs damaliger Sprecher Olaf Glaeseker bei der "Bild"-Zeitung angerufen und sich über Recherchen in Wulffs Heimat Großburgwedel beschwert.

Dort hatte ein "Bild"-Journalist demnach am 24. November versucht, Kontakt zum Vorbesitzer von Wulffs Anwesens zu bekommen, was nicht gelungen sei. Stattdessen habe der Journalist mit einem Nachbarn über den Verkauf des Hauses gesprochen, an dem dieser am Rande beteiligt gewesen sei.

Die Umwandlung des Privatkredits in ein Bankdarlehen erfolgte just zum Zeitpunkt der "Bild"-Recherchen: Am 25.11.2011. Das atten sowohl die BW Bank als auch Wulff bestätigt.

"Die Welt" schafft Transparenz: Lesen Sie hie alle Fragen zur Causa Wulff nach .

( dpa/epd/dapd/AFP/pku )

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