Müntefering und Schröder-Köpf

Der Hillary-Clinton-Effekt bei Politiker-Frauen

Nach Doris Schröder-Köpf will auch Michelle Müntefering Karriere machen. Ist das der Hillary-Effekt? Nicht alle Parteikollegen freuen sich über solche Kandidatinnen.

Foto: pa/dpa

Ob Peer Steinbrück über prophetische Gaben verfügt, sei einmal dahingestellt. Dass er Michelle Müntefering aber bereits frühzeitig eine große politische Karriere vorausgesagt hat, ist verbrieft. "In zehn Jahren ist Michelle Landesvorsitzende", sagte er bereits 2005 ahnungsvoll – da hieß die junge Frau noch Schumann und war mit 25 Jahren das, was man ein hoffungsvolles Nachwuchstalent nennt.

Freundlich, patent und zur Ochsentour bereit. "Als Mädchen des Ruhrgebiets habe ich die Hände in den Sternen, die Beine auf dem Boden, die Gedanken bei der Gemeinschaft und mein Herz bei Schalke 04. Glückauf!" So formulierte sie damals ihre Selbstdarstellung.

Michelle Müntefering will mehr

Inzwischen hat neben Schalke auch noch der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering Platz in ihrem Herzen gefunden, Hochzeit 2009. Und Michelle Müntefering, stellvertretende Vorsitzende der SPD Herne, Stadtverordnete dort und Mitglied des SPD-Landesvorstands in Nordrhein-Westfalen, will mehr.

Bei der nächsten Bundestagswahl bewirbt sich die 31-Jährige in ihrer Heimatstadt um das Direktmandat. Dafür muss sie sich zwar erst gegen die parteiinterne Konkurrentin Anke Hildenbrand durchsetzen. Gegenüber "Bild" gab sie sich aber bereits siegessicher. "Ich bin seit zehn Jahren in der Kommunalpolitik und traue mir den Sprung in den Bundestag jetzt zu. Politik fasziniert mich, und ich finde es wichtig, dass auch junge Menschen dort politisch gestalten."

Sollte Michelle Müntefering der Sprung in den Bundestag gelingen, könnte es dort zu einer bisher einmaligen familiären Jobrotation kommen. Müntefering folgt auf Müntefering – einen solchen Wechsel gab es bisher noch nie im politischen Berlin.

Müntefering, der Ältere, hatte bereits vergangenen Sommer angekündigt, 2013 nicht mehr zu kandidieren. Dann ist er 73 und kann seiner Frau als Elder Statesman bei der Gestaltung ihrer Karriere behilflich sein.

Schröder-Köpf – Telefone stehen nicht mehr still

Ein durchaus erfolgversprechendes Modell, das derzeit auch im Hause des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder vorbereitet wird. Nach langen Jahren im Schatten ihres Mannes strebt jetzt auch Doris Schröder-Köpf eine eigene politische Karriere an .

Die gebürtige Bayerin bewirbt sich 2013 um ein Mandat im Niedersächsischen Landtag. Doch auch sie muss sich vorerst gegen eine parteiinterne Konkurrentin durchsetzen, die bisherige Landtagsabgeordnete Sigrid Leuschner.

Seit die prominente Bewerbung bekannt ist, stehen in Hannover die Telefone nicht mehr still. Aus Respekt vor den Parteigremien wolle Schröder-Köpf sich derzeit aber noch nicht äußern, sagt Fraktionschef Stefan Schostok.

Allerdings elektrisiert die Meldung auch pur: Schon wird über den "Hillary-Effekt" getuschelt. Wie Hillary Clinton, die ihre eigenen Ambitionen an der Seite des US-Präsidenten Jahre einst zurückgestellt habe, um anschließend eine beeindruckende Karriere als Senatorin und Außenministerin hinzulegen, hat sich auch Schröder-Köpf lange mit der Position der Frau an seiner Seite beschieden.

Nicht ohne den Ehrgeiz allerdings, zumindest als Einflüsterin und engste Beraterin politisch mitzubestimmen.

Agenda 2010 – Wichtigstes Reformprojekt benannt

Schröder selbst gab in seiner Autobiografie zu, dass der Name für sein wichtigstes Reformprojekt von seiner Frau stammt: "Bis zuletzt hatte die Rede keine eingängige Überschrift. Aber dann hatte meine Frau, mit der ich das Vorhaben am Wochenende vor der Bundestagssitzung diskutierte, einen Namen parat: Agenda 2010."

In der niedersächsischen SPD ist Schröder-Köpfs Kandidatur wohl gerade wegen des Glamour-Effekts nicht unumstritten. "Das Vorgehen ist ausgesprochen unglücklich", sagt ein SPD-Landtagsabgeordneter.

Zwar komme Schröder-Köpf in den Medien gut an. Doch ihre Rivalin Sigrid Leuschner sei "fleißig, tüchtig und verlässlich". Schröder-Köpf sei von Partei-Oberen zu ihrer Kandidatur ermuntert worden, heißt es in der SPD.

Dass Spitzenkandidat Stephan Weil lobt, sie habe "große politische Erfahrung, viel Sachverstand" und könne gut auf Menschen zugehen, verursacht in Parteikreisen Skepsis.

"Der ist ja noch nicht einmal offiziell zum Spitzenkandidaten gewählt", sagt einer. Gut möglich, dass die schillernde Kandidatur so auch ein Thema beim Parteitag der SPD am 20. Januar in Oldenburg wird. Doch ein bisschen Weltgeist könnte Niedersachsen ja durchaus gut tun.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen