Umfrage

Mehrheit fühlt sich von Wulff nicht repräsentiert

Nicht einmal jeder Dritte findet, dass Christian Wulff ein angemessener Repräsentant für Deutschland ist. Zugleich hat eine Mehrheit aber kein Problem mit Gratis-Urlauben und dem Privatkredit.

Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist unzufrieden mit ihrem Staatsoberhaupt.

Nur 28 Prozent bejahten die Frage, ob sie sich von Bundespräsident Christian Wulff gut repräsentiert fühlten. Dagegen antworteten 55 Prozent mit Nein. Das ergab eine am Montag veröffentlichte repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa.

Anders sieht es bei den Themen kostenloser Urlaub bei Freunden und Privatkredit aus: Für mehr als die Hälfte der Deutschen ist es in Ordnung, dass Wulff freundschaftliche Gefälligkeiten angenommen hat.

52 Prozent der 1003 Befragten teilen die Auffassung Wulffs, dass man sich von Freunden ohne Probleme Geld leihen können muss. 37 Prozent widersprechen dieser Ansicht.

Vergangene Woche hatte Wulff in einem Interview mit ARD und ZDF gesagt, er wolle „nicht Präsident in einem Land sein, wo sich jemand von Freunden kein Geld mehr leihen kann “. In der Umfrage wenige Tage nach dem Interview äußerten vor allem junge Leute zwischen 16 und 24 Jahren mit 62 Prozent Zustimmung.

57 Prozent finden Urlaube bei Unternehmern in Ordnung

Um sein Privathaus bei Hannover zu finanzieren, hatte sich der Bundespräsident 500.000 Euro von einer befreundeten Unternehmergattin geliehen.

Auch die günstigen Urlaube des Bundespräsidenten oder sind für die Bevölkerung kein Grund zur Aufregung. Rund 57 Prozent waren der Meinung, Spitzenpolitiker sollten sich zu Urlauben bei Freunden einladen lassen können.

Rund 35 Prozent waren dagegen, rund 7 Prozent hatten dazu keine Meinung. Wulff hatte für Ferien in Spanien, Italien, Florida und auf der Insel Norderney Häuser seiner Freunde kostenfrei genutzt.

Wulff steht seit Wochen unter Druck, weil er Fragen zu dem Privatkredit für sein Haus zögerlich und in den Augen seiner Kritiker nur unzureichend beantwortet hat. Heftigen Gegenwind bekommt Wulff auch wegen den Urlaubsreisen und seinem Umgang mit den Medien.

Nach Angaben der „Bild“-Zeitung hatte der Bundespräsident versucht, einen Artikel des Blattes zum Darlehen durch einen Anruf beim Chefredakteur zu verhindern. Wulff bestreitet das. Er habe lediglich um eine Verschiebung gebeten.

Bettina Wulff: "Zur Affäre ist alles gesagt"

Trotz der Auseinandersetzung ihres Mannes mit der „Bild“-Zeitung hat Bettina Wulff, die Frau des Bundespräsidenten, offenbar keine Berührungsängste mit dem Axel Springer Verlag, in dem auch "Bild" und Morgenpost Online erscheinen.

Am Montag war sie zur Überraschung Vieler prominenter Gast beim Neujahrsempfang des zum Verlag gehörenden „Hamburger Abendblatts“. Sie mischte sich unter die rund 1000 Gäste der Veranstaltung in Hamburg und war gefragtes Motiv für die Fotografen.

Lächelnd schüttelte die erste Frau im Staat unzählige Hände zur Begrüßung und bahnte sich ihren Weg durch die dichte Menschenmenge.

Angesichts der Kredit- und Medienaffäre ihres Mannes Christian erhofft sich Bettina Wulff nach Angaben von "abendblatt.de", dass wieder Ruhe für ihre Familie einkehrt und sie gemeinsam mit ihrem Mann ihren Aufgaben nachgehen kann.

Zur Affäre sei alles gesagt, zitierte abendblatt.de die Frau des Bundespräsidenten. Der streitbare FDP-Fraktionschef im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki, war beeindruckt: „Ich bin sehr überrascht, dass Frau Wulff heute hier ist. Das zeugt von Souveränität.“