Kreditaffäre

Wulff bricht sein Schweigen zum Privatkredit

Bundespräsident Christian Wulff hat sein bisheriges Schweigen zu einem Privatkredit von 500 000 Euro bedauert. „Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte", erklärte Wulff am Donnerstag in Berlin.

Nach zwei Tagen teils heftiger Kritik hat Bundespräsident Christian Wulff sein Schweigen zu einem umstrittenen Privatkredit von 500 000 Euro gebrochen. „Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedauere das“, erklärte Wulff am Donnerstag. „Es wäre besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der niedersächsischen Abgeordneten im Landtag über die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erwähnt hätte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen.“

Weiter erklärte Wulff in einer Mitteilung: „Ich verstehe das Interesse der Öffentlichkeit und der Medien. ... Auch im Interesse der Trennung von Amt und Person werde ich die Vertragsunterlagen und weitere Papiere bei einem Anwaltsbüro hinterlegen, damit interessierte Medien sie einsehen können.“

Wulff war wegen eines Kredits der Unternehmergattin Edith Geerkens aus dem Jahr 2008 in die Kritik geraten. Damals war Wulff Ministerpräsident in Niedersachsen. Im Landtag war er nach etwaigen geschäftlichen Beziehungen zu dem Unternehmer selbst befragt worden und hatte deren Existenz bestritten, den Darlehensvertrag mit dessen Frau aber nicht erwähnt.

Die SPD im niedersächsischen Landtag hat indes Aufklärung über die Urlaubsreisen des ehemaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff gefordert. In einer am Donnerstag in Hannover veröffentlichten Kleinen Anfrage will sie unter anderem wissen, wie oft Wulff zwischen 2003 und 2010 nach Florida oder auch nach Mallorca gereist ist.

Wulff hatte als Ministerpräsident unter anderem seinen Weihnachtsurlaub 2009 in der Villa Geerkens in Florida verbracht. Die Landesregierung soll nach Wunsch der SPD nun auch Antwort auf die Frage geben, ob sich das Land an dem Kauf des Hauses finanziell beteiligt hat.

Ob Wulff in seiner Zeit als Ministerpräsident mit der Annahme des Kredits gegen das Ministergesetz des Landes verstoßen hat, wollen die Grünen im Landtag wissen. Sie hatten am Mittwoch eine Sitzung des Ältestenrates beantragt.

FDP-Chef Rösler hatte Wulff in der Debatte über einen umstrittenen Privatkredit zuvor den Rücken gestärkt. In der „Passauer Neuen Presse“ nahm Rösler seinen langjährigen Weggefährten Wulff gegen den Vorwurf in Schutz, den niedersächsischen Landtag als Ministerpräsident über ein privates Darlehen getäuscht zu haben. Mit dem Kredit einer befreundeten Unternehmergattin hatten Wulff und seine Frau Bettina ein Haus gekauft.

„Der Bundespräsident hat erklärt, er habe sich damals korrekt verhalten. Ich habe überhaupt keinen Anlass, an dieser Aussage zu zweifeln“, sagte der heutige Bundeswirtschaftsminister, der seinerzeit als FDP-Fraktionschef und Minister in Hannover eng mit Wulff zusammengearbeitet hatte. Er machte zugleich deutlich, dass er selbst einen anderen Weg gewählt hatte: „Wer ein Eigenheim kauft oder baut, nimmt zumeist einen privaten Kredit über die Hausbank auf. Das ist bei meiner Familie nicht anders.“

Der Bundespräsident kehrte in der Nacht zum Mittwoch von einer sechstägigen Reise in die Golfregion zurück. Zu den Vorhaltungen hat er sich bislang nicht öffentlich geäußert. Am Dienstag war bekanntgeworden, dass Wulff 2008 als niedersächsischer Regierungschef einen Privatkredit über eine halbe Million Euro von der Frau des Unternehmers Egon Geerkens erhalten hatte. Im Landtag in Hannover hatte er diesen Kredit aber nicht angegeben, als er nach geschäftlichen Beziehungen zu dem Unternehmer gefragt wurde.