Ex-Arbeitsminister

Blüm hält das Menschenbild der CDU für zu flach

Die CDU müsse stärker zum Christentum stehen, fordert Norbert Blüm. Ehe und Familie müssten gerettet, der wildgewordene Kapitalismus gebändigt werden.

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Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) hat die Führungsspitze seiner Partei um Angela Merkell aufgefordert, sich stärker zum Christentum zu bekennen . „Ich denke, dass eine christliche Partei betonen muss, was an ihrer Politik spezifisch christlich ist“, sagte Blüm auf dem Petersberg bei Bonn.

Die CDU habe bei ihrem gerade zu Ende gegangenen Parteitag ein Menschenbild vertreten, dass Werte wie Freiheit und Gerechtigkeit betone. „Das ist mir zu flach“, kritisierte Blüm.

Nach eigener Aussage würde er Gott ins Spiel bringen. Zwar sei die Gesellschaft gottloser geworden. Dennoch erkenne er eine esoterische Sehnsucht nach einem Halt jenseits von Angebot und Nachfrage.

"Vagabundierende Geldwirtschaft"

Blüm kritisierte, der Wert von Arbeit habe im Zuge der Globalisierung dramatisch abgenommen. „Wir haben es mit einer vagabundierenden Geldwirtschaft zu tun, die der Arbeit und dem Eigentum den Boden unter den Füßen entzieht“, so der CDU-Politiker.

Es stelle sich die Frage, ob die Flaggschiffe der Globalisierung überhaupt noch Firmen seien oder nur eine Kette von Verträgen. „Ein Unternehmen braucht heute eine Marketing-Abteilung, eine Logistik und eine Produktionsstätte in einem Land mit möglichst niedrigen Löhnen“, stellte Blüm fest. Arbeitnehmer seien geräuschlos zur Ware geworden.

Die aktuelle Schuldenkrise stellte Blüm in Zusammenhang mit einer Verwahrlosung des Menschenbildes. Mit Blick auf die katholische Soziallehre, wonach die Erde für alle Menschen da sei, betonte er: „Besitz muss wieder mit Arbeit verbunden sein.“

Den wildgewordenen Kapitalismus bändigen

So sei der wildgewordene Kapitalismus zu bändigen. Es sei beunruhigend, dass immer mehr Menschen ihre Entscheidungen nach einer Kosten-Nutzen-Abwägung treffen müssten, sagte der CDU-Politiker.

Um Ehe und Familie zu retten, müsse der „Homo oeconomicus“ in die Schranken gewiesen werden. – Blüm äußerte sich vor rund 300 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kirche beim 66. Walberberger Buß- und Bettagsgespräch auf dem Petersberg.