Wagenknecht - Lafontaine

Wie politisch die Liebe von Oskar und Sahra ist

Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine - ein Paar mit Drang zur Macht. Im kommenden Jahr soll eine neue Parteispitze der Linken gewählt werden. Sollte Wagenknecht Parteichefin werden, könnte auch ihr Freund davon profitieren.

Nachdem der ehemalige Linke-Chef Oskar Lafontaine am Sonnabend die Bombe platzen ließ, debattiert man in seiner Partei darüber, was „Lafos“ Liebe zu Sahra Wagenknecht für die politische Arbeit und Entwicklung der Linken bedeutet. Dabei ist noch völlig unklar, wie die Partei in den kommenden Monaten mit ihrem Liebespaar umgehen wird. Fest steht nur: Im kommenden Jahr soll eine neue Parteispitze gewählt werden. Lafontaine soll sich als Duo Wagenknecht und den Reformer Stefan Liebich wünschen. Da fielen private und politische Interessen quasi zwangsläufig zusammen. Mit dem Liebes-Outing stellt sich aber die Frage, ob Lafontaine und die Ex-Wortführerin der ultralinken Kommunistischen Plattform Politisches und Privates überhaupt auseinanderhalten können – oder ob die Linke ihr politisches Kind werden soll. Für Letzteres spricht, dass der 68-jährige Saarländer schon länger als Förderer Wagenknechts auftritt. Und Fakt ist auch: Wenn er sie weit oben in der Partei etabliert, kann er mit zusätzlichem Rückenwind für eine mögliche eigene Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl 2013 rechnen.

Fragen abgebürstet

Lafontaine ist zum dritten Mal verheiratet und hat zwei Söhne. Seine Noch-Ehefrau Christa Müller ist auch Politikerin und familienpolitische Sprecherin der Linken im Saarland. Wagenknecht ist seit 1997 mit dem Filmproduzenten und Geschäftsmann Ralph-Thomas Niemeyer verheiratet, der in Irland lebt. Mit der öffentlichen Bekanntmachung ihrer Liaison lassen Lafontaine und Wagenknecht ihre bisherigen Partnerschaften hinter sich. Die beiden bürsteten Fragen nach der politischen Relevanz ihrer Liebe ab. Am Ende seiner Rede auf dem Parteitag der Saar-Linken am Sonnabend hatte Lafontaine erklärt, warum Wagenknecht ihn begleite: als Freundin nämlich. „Ich lebe seit einiger Zeit getrennt und bin mit Sahra eng befreundet. Das war's dann auch. Mehr hab' ich dazu nicht zu sagen“, erklärte Lafontaine den rund 150Delegierten. Er ließ sich kurz darauf nur noch ein paar Worte abringen: Er habe zwei Sätze gesagt. Im Übrigen sei er der Meinung, bei Politikern sollte man „über die politischen Themen diskutieren, nicht über ihr Privatleben“. Wagenknecht sagte auf Nachfragen knapp: „Es ist alles gesagt. Mehr gibt es nicht.“ Sie hatten einen Riegel vorgeschoben. Doch in der Partei rumort es.

Die Debatte über eine mögliche Rückkehr Lafontaines an die Spitze der Partei feuerte am Sonntag der Fraktionschef im Bundestag, Gregor Gysi, persönlich an. Zur Rolle Lafontaines bei der Führungsfrage, die in wenigen Monaten beantwortet werden muss, sagte er dem „Spiegel“: „Er ist wieder gesund, er ist quicklebendig. Sicher ist er im Saarland auch etwas unterfordert.“ Über seine einstige Gegenspielerin Wagenknecht sagte Gysi in dem Gespräch: „Sie hat sich entwickelt … Und weil ich mich natürlich auch entwickelt habe, kommen wir jetzt gut miteinander klar.“ Gysi warb zudem erneut für das Modell einer Doppelspitze aus Mann und Frau aus Ost und West an der Parteispitze. Das Trio Lafontaine-Wagenknecht-Gysi hat sich also offenbar arrangiert.

Auch Stefan Liebich gab gegenüber dem „Tagesspiegel“ zur Protokoll: „Sowohl Sahra Wagenknecht als auch Oskar Lafontaine haben eine eigenständige politische Karriere hinter sich. Sie haben das Recht, auch künftig eigenständig bewertet zu werden.“

Kritik nur hinter den Kulissen

Kritiker von Wagenknecht und Lafontaine halten derweil still und wollen höchstens nur hinter vorgehaltener Hand über eine politische Dimension der privaten Beziehung sprechen. Manche sehen diese nicht. Andere meinen: Da gewinnt man nicht, wenn man sich öffentlich äußert. Es sei aber auffällig, wie ungewohnt „vorlaut“ Wagenknecht seit Kurzem auftrete. Sie nehme immer mehr das überzogene Selbstbewusstsein von Lafontaine an.

In diesem Jahr hatte die Partei vor allem über Patzer des Führungsduos Gesine Lötzsch und Klaus Ernst diskutiert: Mal ging es um die Bewertung des Mauerbaus, dann um Glückwünsche an Fidel Castro. In Folge drängten Lafontaine, Wagenknecht und Gysi in die Öffentlichkeit. Doch die Umfragewerte der Partei waren wie eingefroren. Eine mögliche Rückkehr Lafontaines an die Parteispitze wird deshalb kritisch gesehen. Ein führender Linker aus Ostdeutschland sagt: „Ein 68-Jähriger ist kein Aufbruchssignal für die Partei.“