Terrorgruppe

Mutmaßlicher Komplize von Neonazi-Trio gefasst

Die Bundesanwaltschaft hat einen mutmaßlichen Komplizen des Neonazi-Trios aus Thüringen festgenommen. Er soll Mitglied der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU).

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Ein mutmaßlicher Komplize des Neonazi-Trios aus Thüringen, das für die Döner-Mordserie verantwortlich sein soll, ist festgenommen worden. Zudem sei die Wohnung des 37-jährigen aus der Nähe von Hannover durchsucht worden, hieß es in einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe vom Sonntag. Holger G. werde dringend verdächtigt, Mitglied der terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zu sein. Auch die mögliche Tatbeteiligung des Beschuldigten an den Morden werde untersucht, hieß es. Am Montag solle er dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden.

Das Trio steht bislang im Verdacht, acht Türken, einen Griechen und eine Polizistin erschossen zu haben. Die zwei Männer und eine Frau waren ins Visier der Ermittler gerückt, nachdem sich die beiden Männer am 4. November 2011 laut Polizei selbst erschossen hatten. Zuvor hatten sie eine Bank in Eisenach ausgeraubt. Die Frau hatte sich in der vergangenen Woche der Polizei gestellt.

Die Bundesanwaltschaft war zunächst davon ausgegangen, dass die Mordserie auf das Konto von nur drei NSU-Mitgliedern geht. Sie waren zuletzt in einer Wohnung im sächsischen Zwickau untergeschlüpft.

Laut Bundesanwaltschaft stand der jetzt festgenommene Mann seit Ende der 90er Jahre mit den anderen drei Tatverdächtigen in Kontakt. Er habe deren fremdenfeindliche Einstellung geteilt und sei in dieselben rechtsextremistischen Kreise eingebunden gewesen. Er soll dem Trio 2007 seinen Führerschein und vor etwa vier Monaten seinen Reisepass zur Verfügung gestellt haben. Zudem soll er mehrfach Wohnmobile für die Gruppierung angemietet haben. Eines der Fahrzeuge soll bei dem Mordanschlag auf eine Heilbronner Polizisten genutzt worden sein.

Der Gruppe war die Jenaer Polizei seit 1998 auf der Spur. Damals hoben Polizeibeamte eine Bombenwerkstatt in einer Garage aus. Gefunden wurden 1,4 Kilogramm des Sprengstoffs TNT und funktionsfähige Rohrbomben, an denen nur noch der Zünder fehlte. Als Bombenbauer galten zwei Männer und eine Frau, alle drei der Polizei bereits einschlägig bekannt und der rechtsextremen Szene zugeordnet. Die Täter, damals 20, 23 und 24 Jahre alt, konnten jedoch fliehen und spurlos untertauchen.

Bei ihren Ermittlungen fand die Polizei heraus, dass die drei Bombenbastler wohl bereits 1997 einen mit Sprengstoff gefüllten und Hakenkreuz bemalten Koffer in der Jenaer Innenstadt deponiert und noch ein Jahr zuvor eine Puppe mit gelbem Davidstern an einer Autobahnbrücke nahe Jena aufgehängt hatten.

Die 36 Jahre alte Beate Z. sitzt in Untersuchungshaft, schweigt aber. Laut „Bild am Sonntag“ fordert sie eine Kronzeugenregelung mit Strafmilderung.