Terrorismusverdacht

Mordserie könnte zu Geheimdienst-Affäre führen

Was wusste der deutsche Verfassungsschutz über den Polizistenmord in Heilbronn und die "Döner-Mord"-Serie? Unions-Innenexperte Hans-Peter Uhl spekuliert.

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Die Morde an einer Heilbronner Polizistin und an acht ausländischen Imbissbesitzern gehen möglicherweise auf das Konto einer rechtsterroristischen Zelle.

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Die Morde an einer Heilbronner Polizistin und an acht ausländischen Imbissbesitzern könnten nach Einschätzung des Unions-Innenexperten Hans-Peter Uhl eine Verfassungsschutz-Affäre nach sich ziehen. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich aus all dem noch ein Verfassungsschutzproblem ergibt“, sagte Uhl der „Mitteldeutschen Zeitung“. Möglicherweise habe der Geheimdienst mehr über die Hintergründe der Taten gewusst, als bisher bekannt sei, wurde Uhl zitiert. „Ich habe das Gefühl, das wird noch sehr interessant“, sagte der CSU-Politiker.

Die Morde gehen möglicherweise auf das Konto einer rechtsterroristischen Zelle. Die Bundesanwaltschaft gab am Freitag eine spektakuläre Wende in dem mysteriösen Polizisten-Mordfall bekannt und zog die Ermittlungen wegen Terrorismusverdachts an sich. Im Haus der mutmaßlichen Mörder in Zwickau sei die Pistole gefunden worden, mit der zwischen 2000 und 2006 die sogenannten Döner-Morde an sieben türkischstämmigen Deutschen und einem Griechen verübt worden seien.

Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtet, die mutmaßlichen rechtsextremistischen Drahtzieher der Döner-Mordserie hatten Unterstützung. So habe ein 37-Jähriger aus Niedersachsen den Verdächtigen vor Jahren seinen Personalausweis überlassen. Damit soll das Wohnmobil angemietet worden sein, in dem sich die zwei Männer am 4. November 2011 bei Eisenach laut Polizei erschossen hatten. Mit dem Ausweis des Niedersachsen hatten die Männer dem Bericht zufolge auch 2007 ein Wohnmobil gemietet, mit dem sie unterwegs waren, als sie in Heilbronn eine 22 Jahre alte Polizistin erschossen haben sollen.

Der Unterstützer aus Lauenau bei Hannover soll ebenso wie die Verdächtigen in Jena geboren und zumindest zeitweise Kontakte in die rechtsradikale Szene gehabt haben. Laut „Focus“ wurde der Mann bereits wenige Stunden nach dem Fund der beiden Leichen von der Polizei in Gewahrsam genommen und verhört.

Hinter dem Heilbronner Polizistenmord und den sogenannten Döner-Morden an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer in ganz Deutschland steckt wohl die gleiche Gruppe rechtsextremer Täter. Die Verbindung fanden die Ermittler in einem abgebrannten Haus im sächsischen Zwickau, in dem ein mutmaßliches Bankräuber-Trio jahrelang unerkannt gelebt hatte. Dem Trio gehörten die beiden Männer an, deren Leichen in Eisenach in dem Wohnmobil gefunden wurden, und Beate Z., die sich inzwischen der Polizei stellte.

Der Zentralrat der Muslime warnte vor einer Bagatellisierung von Islam- und Fremdenfeindlichkeit. „Das ist kein Angriff auf eine bestimmte Gruppe, sondern auf die Grundfesten unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft“, sagte der Zentralrats-Vorsitzende Aiman Mazyek.