8. Familienbericht

Deutschlands Familien haben ein Zeitproblem

Fast zwei Drittel der Väter und mehr als ein Drittel der Mütter haben zu wenig Zeit für ihre Kinder. Das geht aus dem 8. Familienbericht der Bundesregierung hervor, aus dem Familienministerin Kristina Schröder am Freitag in Berlin einzelne Punkte vorstellte.

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Bundesregierung will in ihrer Familienpolitik künftig stärker den Faktor Zeit in den Blick nehmen. „Der Wunsch nach mehr Zeit für Familien eint alle Familien und ist noch stärker ausgeprägt als der Wunsch nach mehr Geld“, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) am Freitag in Berlin bei der Übergabe des achten Familienberichts der Bundesregierung. Zeit sei daher die „Leitwährung“ der Familienpolitik. Der vorgelegte Bericht „markiert den Einstieg in eine Zeitpolitik für Familien“, sagte Schröder weiter. Sie will den Familienbericht im kommenden Jahr dem Bundestag vorlegen und dann auch veröffentlichen.

In ihrer Studie fordern die acht Experten unter der Leitung des Arbeitsrechtlers Gregor Thüsing von der Politik stärkere Anstrengungen, um den Zeitbedürfnissen von Familien gerecht zu werden. Dazu schlagen sie unter anderem vor, Arbeitszeiten und Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen besser zu koordinieren. Hier seien besonders die Kommunen gefordert. Auch sollten die Möglichkeiten älterer Menschen stärker genutzt werden, beispielsweise durch den Bundesfreiwilligendienst. Ebenfalls hoben sie hervor, dass es unter den Arbeitnehmern einen großen Wunsch nach mehr Teilzeitbeschäftigung zwischen 30 und 35 Stunden gebe.

Dem Bericht zufolge leiden mehr als 40 Prozent der Eltern mit minderjährigen Kindern oft oder immer unter Zeitdruck. Zudem hätten 63 Prozent der Väter und 37 Prozent der Mütter mit minderjährigen Kindern angegeben, zu wenig Zeit für ihre Kinder zu haben.

Die Arbeitswelt habe mit den gesellschaftlichen Entwicklungen nicht Schritt gehalten, bilanzierte Schröder. Den Experten zufolge will eine Mehrheit der Eltern nicht die Wahl zwischen 20-Stunden-Stellen oder einem Vollzeitarbeitsplatz, sondern wünscht sich 30-Stunden-Wochen. Die Väter litten besonders unter den Überstunden. 57 Prozent der Männer und zwei Drittel der Frauen hätten bis heute keinen Einfluss auf ihre Arbeitszeiten.

Segen und Fluch von Telearbeit

Der Wunsch nach mehr gemeinsamer Zeit sei inzwischen bei den Familien noch stärker als der Wunsch nach mehr Geld, sagte Schröder. Ein „Konzept für Zeitpolitik“ sei daher überfällig. Konkrete Ankündigungen machte sie nicht. Es sei nicht nur die Politik gefordert, sondern alle gesellschaftlichen Akteure müssten sich anstrengen, sagte sie.

Schröder hob hervor, dass die zunehmende Verbreitung von Telearbeit zwar auf der einen Seite einen Gewinn für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedeute. Die ständige Erreichbarkeit führe jedoch auch zu dem „sehr bedenklichen Trend“, dass Arbeit und Familie immer schwerer zu trennen seien und es keinen Raum für Privatheit gebe.

Hier sei eine neue „Zeithygiene“ erforderlich. Deshalb werde sie zwar politisch alles unterstützen, was die stärkere Arbeit von zu Hause und auch die Teilung von Führungspositionen ermögliche. Jedoch warnte sie davor, dass Arbeit und Familie „nicht unkontrolliert ineinanderfließen“.

Thüsing verwies darauf, dass häufig nicht der Umfang der Arbeit den beschäftigten Eltern Probleme mache, sondern Ort und zeitliche Lage der Arbeit. Man könne ein guter Arbeitnehmer sein und von zu Hause aus arbeiten, aber kein guter Vater vom Büro aus, um sich um sein Kind zu kümmern. Wichtig sei auch eine verlässliche Arbeitszeitplanung, um die Zeit für die Familie sicher koordinieren zu können.

Die Familienberichte der Bundesregierung werden seit 1968 in der Regel im Abstand von fünf bis sechs Jahren vorgelegt.