Welternährungstag

Hunderttausende Kinder hungern in Deutschland

Es sind erschreckende Zahlen: 500.000 Kinder leiden in Deutschland jeden Tag Hunger. Gleichzeitig landen jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Nahrungsmittel auf dem Müll. Doch es gibt noch mehr Probleme, die am Welternährungstag kommenden Sonntag zur Debatte stehen.

Foto: picture alliance / ZB / picture alliance / ZB/dpa-Zentralbild

In Deutschland hungern Hunderttausende Kinder, gleichzeitig landen Schätzungen zu Folge jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll. „Man kann davon ausgehen, dass etwa 500.000 Kinder in Deutschland regelmäßig nicht ausreichend ernährt werden und immer wieder Hunger leiden“, sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Wolfram Hartmann, anlässlich des Welternährungstages, der am kommenden Sonntag stattfindet. Der Mediziner sprach von einem schlimmen Zustand.

Was auf der einen Seite weggeworfen wird, wäre anderswo dringend notwendig. Weltweit haben mehr als eine Milliarde Menschen keinen ausreichenden Zugang zu Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser. Jeden Tag sterben Tausende Menschen an Unterernährung und ihren Folgen, mehr als die Hälfte davon sind Kinder unter fünf Jahren.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte, „der Berg weggeworfener Lebensmittel in Europa wird immer größer – und damit auch die Belastung für Umwelt und Klima und natürlich auch den privaten Geldbeutel.“ Nun müsse ein Umdenken einsetzen.

In einer Forsa-Umfrage im Auftrag ihres Ministeriums gaben 58 Prozent an, dass in ihrem Haushalt regelmäßig Lebensmittel weggeworfen werden. 69 Prozent der Bürger haben beim Wegwerfen ein schlechtes Gewissen.

Rund 84 Prozent der Bundesbürger werfen Lebensmittel weg, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen oder die Ware verdorben ist. 19 Prozent nennen zu große Packungen als Hauptgrund. 16 Prozent der Bürger werfen Lebensmittel weg, weil sie ihnen nicht schmecken. Und rund ein Viertel gibt an, zu viel gekauft zu haben.

Ein Drittel aller Nahrungsmittel landet auf dem Müll

Weltweit geht laut UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO ungefähr ein Drittel der Nahrungsmittelproduktion als Abfall verloren. Das internationale Kinderhilfswerk World Vision macht dafür auch falsche Lagertechniken und ineffiziente Anbaumethoden verantwortlich. Die Organisation fordert deshalb massive Investitionen in die Landwirtschaft von Entwicklungsländern, um etwa Bauern besser auszubilden.

Eine andere Hilfsorganisation lenkte den Fokus auf die Biosprit-Herstellung. „Die Menschenrechte auf Wasser und auf Nahrung müssen Vorrang haben vor unseren Mobilitätsansprüchen“, sagte Bernhard Walter, Landwirtschaftsexperte bei „Brot für die Welt“, am Freitag in Berlin. Er forderte, Sozialstandards in die EU-Richtlinien für die Produktion von Agrarrohstoffen für Biosprit in Dritte-Welt-Ländern aufzunehmen.

Aigner wäre fürs Erste schon zufrieden, wenn mehr Verbraucher das Mindesthaltbarkeitsdatum richtig verstehen würden. Es sei lediglich eine Orientierungshilfe. Trotzdem werden viele Lebensmittel, die eigentlich noch essbar wären, nach Überschreiten dieses Datums ohne zu prüfen in den Müll geworfen.