John Demjanjuk

NS-Kriegsverbrecher will Arzneigeld einklagen

Der verurteilte NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk droht München mit einem Verfahren. Die Stadt will die Medikamente des 91-Jährigen nicht mehr bezahlen.

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Der verurteilte Kriegsverbrecher John Demjanjuk droht der Stadt München mit einer Klage. Da die Stadt sich weigere, die Kosten für Medikamente zu übernehmen, beantragte er ein einstweiliges Anordnungsverfahren, wie Demjanjuks Anwalt Ulrich Busch der „Bild“-Zeitung sagte.

Demjanjuk wurde im Mai in München der Beihilfe zum Mord an 27.900 Juden im Vernichtungslager Sobibor schuldig gesprochen und zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der gebürtige Ukrainer kam aber auf freien Fuß, weil das Gericht unter anderem wegen dessen hohen Alters den Haftbefehl außer Vollzug setzte.

München trägt Kosten für Pflegeheim-Aufenthalt

Seit seiner Verurteilung lebt der kranke 91-jährige in einem Pflegeheim in Bad Feilnbach im Landkreis Rosenheim, da keine Fluchtgefahr bei dem wohnsitzlosen gebürtigen Ukrainer besteht. Die Kosten dafür trägt die Stadt München. Für die Medikamente will sie dem Bericht zufolge nun nicht mehr aufkommen, da sie nicht zwingend notwendig seien. Die Stadt wollte sich am Freitag nicht zu den Vorwürfen äußern.

Bereits nach der Verurteilung hatte Demjanjuks Verteidiger Busch Sorge um eine angemessene medizinische Versorgung seines Mandanten geäußert, der im Rollstuhl sitzt und unter anderem an einer Blutkrankheit leidet.

Demjanjuk droht neues Ermittlungsverfahren

Demjanjuk droht außerdem ein neues Ermittlungsverfahren. Die Staatsanwaltschaft Weiden in der Oberpfalz prüfe Vorwürfe im Zusammenhang mit Demjanjuks Tätigkeit als Wachmann im nationalsozialistischen Konzentrationslager Flossenbürg, berichtete der "Tagesspiegel" im Juli. "Es gibt einen Anfangsverdacht aufgrund einer Anzeige", sagte Oberstaatsanwalt Gerhard Heindl der Zeitung.

Die neue Strafanzeige stellten demnach zwei Schüsselfiguren des Demjanjuk-Prozesses: der frühere Ermittlungsrichter Thomas Walther und der Nebenklagevertreter Cornelius Nestler. Sie werfen Demjanjuk sowie dem Ex-Wachmann Alex N. demnach vor, sich von Oktober 1943 bis Dezember 1944 an der Ermordung von 4974 Menschen im Lager Flossenbürg beteiligt zu haben.