Debatte um Sicherungsverwahrung

Polizei will gefährliche Täter wieder wegsperren

Nachdem ein aus der Sicherungsverwahrung entlassener Straftäter einem Kind sexuelle Gewalt angetan hat, fordern Polizei und Kinderhilfe Konsequenzen.

Nach dem Kindesmissbrauch durch einen aus der Sicherungsverwahrung entlassenen Sexualtäter in Dortmund haben die Deutsche Polizeigewerkschaft und die Deutsche Kinderhilfe Konsequenzen gefordert. Die Polizei könne diese Personen nicht dauerhaft beobachten, sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt. Die Kinderhilfe verlangte eine außerordentliche Innenministerkonferenz, um eine bundeseinheitliche Überwachung der Täter zu erreichen.

In Dortmund war am Donnerstag ein 49-Jähriger festgenommen worden, der nach dem Ende einer monatelangen intensiven Polizeiüberwachung im Januar ein sieben Jahre altes Mädchen missbraucht hatte. Er konnte erst jetzt durch eine DNA-Analyse ermittelt werden.

In Münster wurde am Donnerstag in einem ähnlichen Fall ein Täter nach einem Rückfall erneut verurteilt. Er hatte ein fünfjähriges Nachbarskind missbraucht. Neben fünfeinhalb Jahren Haftstrafe verhängte das Gericht erneut Sicherungsverwahrung.

Aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hätten in Deutschland mehr als 60 ehemalige Sicherungsverwahrte in Freiheit gesetzt werden müssen, sagte Kinderhilfe-Chef Georg Ehrmann in Berlin. Der Gerichtshof hatte eine nachträgliche oder rückwirkende Verlängerung der Sicherungsverwahrung gerügt.

Polizeigewerkschafter Wendt forderte eine rasche Lösung, um gefährliche Täter, die aufgrund der europäischen Rechtsprechung auf freiem Fuß seien, wieder in geschlossenen Einrichtungen unterbringen zu können. Die schlimmsten Befürchtungen seien eingetroffen. Sobald die Überwachung gelockert wurde, seien Kinder missbraucht und gequält worden, „während ahnungslose Eltern nicht einmal wussten, dass sich ein entlassener gefährlicher Täter in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft aufhält“.

Im Dortmunder Fall hatte die zuständige Fallkonferenz von Polizei, Landeskriminalamt, Führungsaufsicht und Therapeuten beschlossen, die Kontrollmaßnahmen nach und nach zu lockern. Am 26. Januar soll der geständige Mann das kleine Mädchen auf dem Heimweg von der Schule angesprochen, in eine Tiefgarage gelockt und dort missbraucht haben.