ZDF-Moderator Brender

Merkel hatte Angst vor Schröders "Putschistenpose"

In der Elefantenrunde nach der Bundestagswahl 2005 sei Merkel in "Schockstarre" verfallen, erinnert sich der Moderator der Sendung, Nikolaus Brender.

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Der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hatte am Wahlabend 2005 Mitleid mit der Gewinnerin Angela Merkel (CDU). Bei der von ihm moderierten Elefantenrunde am Abend der Bundestagswahl habe die heutige Bundeskanzlerin „pure Angst“ gehabt, schreibt der Moderator in einem Gastbeitrag für „Christ & Welt“, eine Beilage der Wochenzeitung "Die Zeit".

Merkel wurde damals in der Sendung von ihrem Amtsvorgänger Gerhard Schröder (SPD) verbal hart angegangen. Ihre Reaktion sei „Fassungs- und Ratlosigkeit“ sowie „die Schockstarre einer vom Augenblick und vom Wahlergebnis überwältigten Politikerin“ gewesen, so Brender.

Die CDU-Politikerin habe „die Krise während der Fernsehdebatte nicht überwinden“ können. Darum habe Angela Merkel ihm leidgetan. Dem damaligen Kanzler Schröder bescheinigt Brender dagegen eine „selbstversessene und machttrunkene Putschistenpose“.

Schröder erklärt sich

Zum ersten Mal erklärte Schröder jetzt in der Morgenpost Online seine Sicht auf den Abend der Wahl. Er habe damals gedacht: "Jetzt ist es aus mit der Diplomatie, jetzt wollen wir doch mal sehen, was hier los ist." Der Altkanzler erklärte, es sei falsch, „dass er die Information gehabt habe, es hätte noch einen Swing geben können zugunsten der SPD“. Schröder gab allerdings zu, ein „bescheidenerer Auftritt wäre besser gewesen. Aber den wollte ich damals nicht.“

Er fügte an: „Man hätte eigentlich sagen müssen: ,Wissen Sie, wir haben ein Ergebnis erreicht, mit dem keiner mehr gerechnet hatte, und Frau Merkel hat etwas mehr Stimmen, und nun muss sie sehen, wie sie eine Regierung bilden kann.'“

Sein Verhalten erklärte er mit den Worten: „Das kannst du dir jetzt auch leisten. Das ist die letzte Schlacht.“

Schröder hatte sich damals trotz verlorener Wahl siegessicher gezeigt. Er sei "wirklich stolz" auf seine Partei und die Wähler, die ein Ergebnis beschert hätten, das eindeutig sei. "Jedenfalls eindeutig, dass niemand außer mir in der Lage ist, eine stabile Regierung zu stellen. Niemand außer mir.“

An der Gesprächsrunde hatten neben Schröder und Merkel auch Edmund Stoiber, Joschka Fischer, Guido Westerwelle und Lothar Bisky teilgenommen. Zu Merkel und Stoiber sagte Schröder: "Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei auf ein Gesprächsangebot von Frau Merkel in dieser Sachlage eingeht, in dem sie sagt, sie möchte Kanzlerin werden? Also ich meine, wir müssen die Kirche doch mal im Dorf lassen. Die Deutschen haben doch in der Kandidatenfrage eindeutig votiert. Das kann man doch nicht ernsthaft bestreiten.“