Gerhard Schröder 2005

"Jetzt wollen wir doch mal sehen, was hier los ist"

Was für ein TV-Moment: Gerhard Schröder erklärt jetzt seine Siegesgewissheit am Wahlabend 2005. "Das kannst du dir jetzt auch leisten. Das ist die letzte Schlacht."

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Altbundeskanzler Gerhard Schröder, 67, rechtfertigt erstmals seinen Auftritt in der sogenannten „Elefantenrunde“ am Wahlabend des Jahres 2005 . Schröder hatte sich trotz verlorener Wahl siegessicher gezeigt. Er sei "wirklich stolz" auf seine Partei und die Wähler, die ein Ergebnis beschert hätten, das eindeutig sei. "Jedenfalls eindeutig, dass niemand außer mir in der Lage ist, eine stabile Regierung zu stellen. Niemand außer mir.“

Diese und ähnliche Sätze irritierten und sorgten für zahlreiche Debatten im Anschluss. Der Morgenpost Online sagte Schröder jetzt, was er damals gedacht hat: "Jetzt ist es aus mit der Diplomatie, jetzt wollen wir doch mal sehen, was hier los ist."

"Kirche im Dorf lassen"

An der Gesprächsrunde nahmen neben Gerhard Schröder auch Angela Merkel, Edmund Stoiber, Joschka Fischer, Guido Westerwelle und Lothar Bisky teil.

Zu Merkel und Stoiber sagte er: "Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei auf ein Gesprächsangebot von Frau Merkel in dieser Sachlage eingeht, in dem sie sagt, sie möchte Kanzlerin werden? Also ich meine, wir müssen die Kirche doch mal im Dorf lassen. Die Deutschen haben doch in der Kandidatenfrage eindeutig votiert. Das kann man doch nicht ernsthaft bestreiten.“

Schröder wollte keinen bescheidenen Auftritt

Der Altkanzler erklärte, es sei falsch, „dass er die Information gehabt habe, es hätte noch einen Swing geben können zugunsten der SPD“. Schröder gab allerdings zu, ein „bescheidenerer Auftritt wäre besser gewesen. Aber den wollte ich damals nicht.“

Er fügte an: „Man hätte eigentlich sagen müssen: ,Wissen Sie, wir haben ein Ergebnis erreicht, mit dem keiner mehr gerechnet hatte, und Frau Merkel hat etwas mehr Stimmen, und nun muss sie sehen, wie sie eine Regierung bilden kann.'“

Sein Verhalten erklärte er mit den Worten: „Das kannst du dir jetzt auch leisten. Das ist die letzte Schlacht.“ Schröders Fazit: „Ist doch irgendwie auch ’ne Kultsendung, oder?“