Protest gegen Putin-Ehrung

Quadriga-Preisträger gibt Auszeichnung zurück

Viele Träger des Quadriga-Preises kritisieren die Entscheidung, die Auszeichnung an Russlands Premier Putin zu vergeben. Jetzt gibt der erste seinen Preis zurück.

Foto: Studio Olafur Eliasson

Der Streit über die Verleihung des Quadriga-Preises an den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin spitzt sich zu. Der dänische Installationskünstler Olafur Eliasson gab als erster Preisträger seine Auszeichnung zurück, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet.

Das historische Datum des 3. Oktober und die damit verbundenen politischen, gesellschaftlichen und philosophischen Werte würden "benutzt, um eine demokratische Aktivität zu suggerieren, die es in diesem Kontext nicht zu geben scheint", begründete Eliasson seinen Schritt.

Es sei für ihn zunehmend schwierig, sich mit dem Projekt Quadriga zu identifizieren, so Eliasson gegenüber der Zeitung. Er entschuldigte sich dafür, den Preis erst angenommen zu haben und ihn dann zurückzugeben. "Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Entscheidung in Anbetracht der aktuellen Situation richtig ist", erklärte er.

Kritik auch von Vaclav Havel

Kritik an der Entscheidung des Kuratoriums kommt auch von dem früheren tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Havel, der den Preis 2009 erhalten hatte. Er sei "verwundert, überrascht und enttäuscht", zitiert die in Berlin erscheinende "Super Illu" eine Sprecherin Havels. Havel sei von der Jury vorab nicht informiert und auch nicht um seine Meinung gefragt worden.

Auch die erste Trägerin des Quadriga-Preises im Jahr 2003, die deutsche Publizistin Sylke Tempel, hat bereits die Jury-Entscheidung moniert. Putin sei definitiv kein Vorbild für Leadership, sagte sie dem "Tagesspiegel" unter Anspielung auf das diesjährige Leitmotto des Preises "Leadership" (Führung).

Kuratoriumsmitglieder traten aus Protest zurück

Olafur Eliasson lehrt seit 2006 an der Universität der Künste in Berlin. Er bekam den undotierten Quadriga-Preis im vergangenen Jahr für seine "Kunst der Interaktion" verliehen.

Putin soll am Tag der Deutschen Einheit "für seine Verdienste für die Verlässlichkeit und Stabilität der deutsch-russischen Beziehungen" ausgezeichnet werden. Mehrere frühere Preisträger hatten die Entscheidung kritisiert, einige Kuratoriumsmitglieder waren aus Protest zurückgetreten.

Das Kuratorium wird für seine Entscheidung vor allem mit Hinweis auf Menschenrechtsdefizite in Russland kritisiert. Nach Angaben der Werkstatt Deutschland, die den Preis vergibt, werden damit seit 2003 Persönlichkeiten und Projekte ausgezeichnet, deren Denken und Handeln auf Werten baut, "die Vision, Mut und Verantwortung dienen".

Zu den Geehrten zählen unter anderen Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU), der ehemalige sowjetische Präsident Michael Gorbatschow sowie die DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley.