Alkoholverbot

Politiker fordern null Promille für alle Autofahrer

Das absolute Alkoholverbot soll für alle Autofahrer gelten. Der ADAC hält das für "weder verhältnismäßig noch durchsetzbar".

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Keinen Tropfen Alkohol rührt Johanna Günther an, bevor sie in ihren dunkelblauen VW Polo steigt. Für die 21-Jährige aus dem brandenburgischen Schlalach ist es selbstverständlich, nüchtern hinter dem Lenkrad zu sitzen: „Ich würde sonst ja nicht nur mich, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer gefährden.“ Günther ist sicher: „Viele Menschen können die Wirkung von Alkohol nicht richtig einschätzen.“ Ganz ähnlich sieht das Richard Pavlovic aus Bad Belzig (Brandenburg), der seinen Führerschein seit zwei Jahren hat. „Alkohol am Steuer muss nicht sein, entweder man fährt oder man trinkt“, sagt der 19 Jahre alte Büroangestellte. „Schon nach einem Bier ist die Gefahr zu hoch, dass die Fahrtüchtigkeit nachlässt.“

Während es für Günther und Pavlovic selbstverständlich ist, nicht alkoholisiert zu fahren, gehören sie dennoch zu einer Altersgruppe, die laut Statistik besonders oft Unfälle mit Personalschaden verursacht – durch fehlende Fahrpraxis, altersbedingte Risikobereitschaft und eben die mangelnde Fähigkeit, die Wirkung von Alkohol einschätzen zu können. Der Gesetzgeber hat daher im August 2007 ein absolutes Alkoholverbot für Fahranfänger in der zweijährigen Probezeit und für alle Fahrer bis zum vollendeten 21. Lebensjahr erlassen.

Die Strafen für Fahranfänger

Verstößt ein Fahranfänger dagegen, bekommt er zwei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei und muss ein Bußgeld in Höhe von 125 Euro zahlen. Außerdem verlängert sich die Probezeit auf vier Jahre.

Wie eine der „Morgenpost Online“ vorliegende Studie zeigt, die die Bundesanstalt für Straßenwesen im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellte, hat sich das Verbot bewährt: Die Unfälle mit Personenschaden, die Pkw-Fahranfänger verursachten und bei denen Alkohol eine Rolle spielte, gingen demnach 2008 um zwölf Prozent zurück. Die Zahl der an Alkohol-Unfällen beteiligten Fahranfänger sank um 15 Prozent. Den stärksten Effekt erzielte das Verbot der Studie zufolge in der niedrigsten Blutalkoholklasse von 0,3 bis 0,8 Promille. Geringer war der Rückgang in Fällen, bei denen absolute Fahruntüchtigkeit – ab 1,1 Promille – vorlag (10,8 Prozent).

Das absolute Alkoholverbot bei Fahranfängern funktioniert so gut, dass prominente Politiker nun die Einführung einer generellen 0,0-Promille-Grenze fordern. Derzeit dürfen Autofahrer, die älter als 21 Jahre sind, einen Alkoholpegel von 0,5 Promille im Blut haben – zu viel, findet Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU).

0,0-Promille-Grenze für alle Autofahrer

Er sagte der „Morgenpost Online“:„Ich bin eindeutig für eine 0,0-Promille-Grenze für alle Autofahrer – egal, welchen Alters. Niemand kann nach einem oder zwei Glas Bier seinen Promille-Gehalt im Blut objektiv einschätzen.“ Daher bestehe die Gefahr, die eigene Fahrtüchtigkeit zu überschätzen. „Deswegen bin ich für eine klare Linie. Dann weiß jeder Autofahrer, woran er ist“, so Böhmer. Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) will die 0,0-Promille-Grenze bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz zum Thema machen.

Namhafte SPD-Politiker unterstützen den Vorstoß. Volker Schlotmann, Verkehrsminister von Mecklenburg-Vorpommern, sagte dieser Zeitung: „Die Null-Promille-Grenze würde Menschenleben retten“. Zunächst wünscht er sich eine Ausweitung des absoluten Alkoholverbots für Fahranfänger auf die Altersgruppe der 21- bis 25-Jährigen:

„Das wäre ein Anfang, zumal auch Fahrer dieser Altersgruppe noch überdurchschnittlich häufig an Unfällen beteiligt sind.“ Dem schließt sich Ex-Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht, an: „Mit dem absoluten Alkoholverbot für Fahranfänger haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht, die Ausweitung für Fahrer bis 25 Jahre unterstütze ich ausdrücklich.“

ADAC hält ein absolutes Alkoholverbot „weder verhältnismäßig noch durchsetzbar"

Gegen den 0,0-Promille-Plan für alle Autofahrer werden allerdings bereits Bedenken laut: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) unterstützt zwar das gültige Alkoholverbot für Fahranfänger: „Es ist ein Erfolg und erhöht die Verkehrssicherheit erheblich.“ Jedoch erteilt er Verschärfungen eine Absage. Auch der ADAC hält ein absolutes Alkoholverbot „weder verhältnismäßig noch durchsetzbar“.

ADAC-Präsident Peter Meyer sagte gegenüber der „Morgenpost Online“, nötig sei vielmehr eine „hinreichend hohe Kontrolldichte“, um die Zahl der Unfälle durch berauschte Fahrer wirksam zu verringern, denn: „Wenn kaum mit Kontrollen zu rechnen ist, spielt der gesetzliche Grenzwert nur eine untergeordnete Rolle.“