Nach geplanter Putin-Ehrung

In diesem Jahr gibt es keinen Quadriga-Preis

Nach den Querelen um die geplante Auszeichnung des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putins hat das Kuratorium des Quadriga-Preises in diesem Jahr die Preisverleihung ausgesetzt Damit gehen auch alle anderen Nominierten leer aus.

Foto: getty images

Nach Kritik an der Auszeichnung des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin hat das Kuratorium des Quadriga-Preises die Preisverleihungen in diesem Jahr komplett ausgesetzt. Damit werden auch die anderen Nominierten dieses Jahres nicht ausgezeichnet, wie das Preiskuratorium am Samstag nach einer Sitzung in Berlin bekannt gab.

Der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel hatte angedroht seinen Preis zurückgeben, falls die Auszeichnung in diesem Jahr tatsächlich an Putin gehe. Nach Informationen der tschechischen Zeitung „Lidove Noviny“ wollte Havel in Form eines offenen Briefes gegen die Quadriga-Entscheidung protestieren. Die Zeitung „Bild am Sonntag“ berichtet unter Berufung auf Mitglieder des Quadriga-Kuratoriums, Havel räume der Organisation bis Montag Zeit ein, die Preisvergabe anPutin zu überdenken.

Eliasson gibt Preis aus Protest zurück

Ebenfalls am Freitag war bekannt geworden, dass der frühere Preisträger Olafur Eliasson seine Auszeichnung aus Protest gegen die Entscheidung für Putin zurückgegeben hat. Der dänische Künstler war im vergangenen Jahr geehrt worden.

Wegen des Streits um Putin erklärte zudem Barbara-Maria Monheim ihren sofortigen Rücktritt aus dem Kuratorium des Netzwerks Quadriga. Das berichtete der Berliner „Tagesspiegel“ in seiner Samstagausgabe unter Berufung auf eine schriftliche Erklärung Monheims. Demnach schrieb die Gründerin der Berliner Bela-Stiftung, sie lehne die „interne Verfahrensweise“ und „öffentliche Kommunikationspolitik entschieden ab“. Zuvor hatten sich bereits der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir und der Historiker Edgar Wolfrum aus dem Gremium zurückgezogen.

Der Quadriga-Preis des Vereins „Werkstatt Deutschland“ wird verliehen an „Vorbilder, die Aufklärung, Engagement und Gemeinwohl verpflichtet sind“. Die Verleihung ist bislang für den 3. Oktober, den Tag der Deutschen Einheit, in Berlin vorgesehen. Neben Putin sollen drei weitere Personen ausgezeichnet werden: der palästinensische Premierminister Salam Fayyad, die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa und die türkischstämmige Lehrerin und Autorin Betül Durmaz.

Cem Özdemir nicht mehr im Gremium

Demnach schrieb die Gründerin der Berliner Bela-Stiftung, sie lehne die „interne Verfahrensweise“ und „öffentliche Kommunikationspolitik entschieden ab“. Zuvor hatten sich bereits der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir und der Historiker Edgar Wolfrum aus dem Gremium zurückgezogen.

Der Quadriga-Preis des Vereins „Werkstatt Deutschland“ wird verliehen an „Vorbilder, die Aufklärung, Engagement und Gemeinwohl verpflichtet sind“. Die Verleihung ist bislang für den 3. Oktober, den Tag der Deutschen Einheit, in Berlin vorgesehen.

Neben Putin sollen drei weitere Personen ausgezeichnet werden: der palästinensische Premierminister Salam Fayyad, die mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa und die türkischstämmige Lehrerin und Autorin Betül Durmaz.

Mathiopoulos kritisiert Reaktionen

Auch die Historikerin Margarita Mathiopoulos, die Mitglied im Kuratorium ist, kritisierte die öffentlichen Reaktionen auf die Pläne, Putin auszuzeichnen. Der „heftig aufgekommene Moralismus von verschiedenen politischen und publizistischen Ecken“, erstaune sie, sagte Mathiopoulos der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ laut Vorabmeldung. Sie fragte: „Sind wir in dieser Republik nicht auch von Politikern wie Hans Globke, Herbert Wehner oder Joschka Fischer mitregiert worden? Hatten alle drei nicht auch eine kontroverse Vergangenheit?“ In der Tat sei Putin kein „lupenreiner Demokrat“. Aber auch „in lupenreinen Demokratien sind nicht unbedingt alle politisch Verantwortlichen lupenreine Demokraten“.