Netzwerk-Attacke

CDU ist unfreiwillig Gastgeber von Facebook-Partys

Facebook-Mobs wollen die Sommerfeste der Union kapern. Die Partei reagiert panisch, schließt Seiten und droht mit der Polizei.

Foto: Philip Kuhn / Philip Kuhn/Facebook

Guido Kaupat von der CDU Dietzenbach kann es nicht fassen. Erstmals hatte er zum traditionellen Sommerfest via Facebook geladen. Und dann das: Hunderte Zusagen und tausende Gäste, deren Teilnahme „unsicher“ ist, wie es in der Sprache des Netzwerks heißt. „Unpolitische Leute“, sagt Kaupat. „Die wollen uns veräppeln“. Doch in Südhessen sind sie vorbereitet. „Wir erhöhen die Bierpreise“ droht der Ortsvorstand.

Was in Dietzenbach passiert, beschäftigt die Union derzeit bundesweit: Einladungen zu Sommerfesten und Stammtischen der Partei werden auf Facebook mit tausenden Zusagen überschwemmt. Grund dafür: Zunächst einmal sind alle Veranstaltungen bei Facebook öffentlich. Es obliegt den Nutzern selbst, sie mit einem Häkchen als „privat“ zu markieren.

Mit soviel Zuspruch hatten die Verbände, die so gerne modern sein wollen, nicht gerechnet. Die potenziellen Gäste überbieten sich derweil mit hämischen Kommentaren. „Wir sollten ein paar spontane Sauflieder einüben“, freut sich einer auf das Sommerfest in Dietzenbach.

„Wie sieht’s mit Freibier aus“, fragt ein Facebooker anlässlich des traditionellen Stammtisches der CDU Freiburg-Vauban. Eine „lehrreiche Erfahrung“ nennt der Ortsvorsitzende Martin Braun das Experiment. Nach dutzenden Zusagen nahm er die Veranstaltung aus dem Netz.

Ebenso panisch reagierten Kreisverbände in Berlin, Bergisch-Gladbach und Oberhausen, „Die Kapazitäten des Veranstaltungsortes sind erschöpft. Wir bitten von weiteren Zusagen abzusehen“, flehten die Spandauer.

Die Netzgemeinde lässt so etwas kalt. Findige Facebooker haben gelöschte Veranstaltungen wieder ins Netz gestellt. Natürlich ist es kein Zufall, dass der Spott ausgerechnet die Union trifft. Jüngst hatte die Partei ein Verbot von Facebook-Partys und einen „Internet-Führerschein“ gefordert. Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) verlangt schnelles Handeln: Es dürfe nicht sein, dass bei Facebook jede Veranstaltung erst einmal öffentlich sei.

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