Guantanamo-Haft

Murat Kurnaz wirft den USA medizinische Folter vor

Der Deutsch-Türke Murat Kurnaz sagt, er sei während seiner Haft im US-Gefangenenlager Guantanamo mit Spritzen und Medikamenten gequält worden.

Der ehemalige Guantanamo-Häftling Murat Kurnaz wirft den Wachmannschaften des US-Gefangenenlagers vor, ihn und andere Häftlinge medizinisch gefoltert zu haben. Von Beginn seiner Lagerhaft an sei ihm mehrmals monatlich gegen seinen Willen Medizin verabreicht worden, sagte der in Bremen aufgewachsene Deutsch-Türke, der 2002 nach Guantanamo verschleppt worden war, der „Berliner Zeitung“ laut Vorabbericht.

Kurnaz kehrte 2006 nach Deutschland zurück. Seine Aussage deckt sich dem Blatt zufolge mit Ergebnissen zweier Untersuchungen, die amerikanische Rechtsanwälte und die US-Menschenrechtsorganisation Truthout unabhängig voneinander durchgeführt haben. Demnach wurden Gefangenen in Guantanamo über Jahre hinweg unter Zwang hohe Medikamentendosen ohne medizinische Notwendigkeit verabreicht.

"Ich bekam Schweißausbrüche und Atemnot"

Kurnaz sagte, der Lagerarzt in Guantanamo Bay habe ihm regelmäßig Spritzen verabreicht, ohne ihm mitzuteilen, wofür oder wogegen sie seien. Dann habe er sich übergeben müssen. „Richtig elend habe ich mich gefühlt“, sagte Kurnaz.

Obwohl in dem Haftlager auf Kuba keinerlei Malariagefahr bestanden habe, seien ihm auch angebliche Anti-Malaria-Tabletten verabreicht worden. „Ganz müde wurde ich davon, oder ich bekam Schweißausbrüche und Atemnot“, sagte Kurnaz. Er habe sehr unterschiedliche Mittel schlucken müssen.

Bei manchen Pillen habe er keine Wirkungen verspürt, andere hätten ihm heftig zugesetzt. Einige seiner Mitgefangenen seien unter Einfluss der Medikamente aufgegangen wie Ballons. „Die hatten dicke Köpfe, dicke Hände, alles war voller Wasser“, sagte er.

Richtige medizinische Behandlung nur gegen Aussage?

Kurnaz sagte, eine richtige medizinische Betreuung habe es dagegen im Lager nicht gegeben. „Ich hatte zwei Jahre lang bohrende Zahnschmerzen, erhielt aber weder Schmerzmittel noch eine Behandlung“, sagte er. Auch habe er häufig unter starken Kopfschmerzen gelitten. „Aber wenn ich Tabletten haben wollte, habe sie nur gesagt, wenn ich aussage, dann bekomme ich auch Medikamente und einen Arzt“, sagte er.

Gefangene, die auf einen solchen Handel eingegangen seien, seien danach auch tatsächlich medizinisch betreut worden. Alle Gefangenen, mit denen er sprechen konnte, seien davon überzeugt gewesen, dass an ihnen neuentwickelte Medikamente oder Drogen ausprobiert würden.

„Wir waren Versuchskaninchen, es hat uns bloß keiner gesagt“, sagte Kurnaz.