Osama Bin Laden, der meistgesuchte Terrorist der Welt, ist tot. Das sagte US-Präsident Barack Obama in einer Fernsehansprache in Washington. Eine US-Spezialeinheit habe den Al-Qaida-Chef bei einem Gefecht getötet. „Der Gerechtigkeit ist Genüge getan“, sagte Obama. Demnach befindet sich dessen Leiche in den Händen der Amerikaner.

Schon bevor Obama im Weißen Haus vor die Kameras trat, um den Tod offiziell zu bestätigten, hatten sich mehrere Tausend Menschen vor dem Zaun des Weißen Hause versammelt. Sie jubelten und riefen: „USA, USA“.

Bin Laden gilt als der Kopf hinter den schlimmsten Terroranschlägen, unter an anderem auf das World Trade Center am 11. September 2001. Fast 3000 Menschen waren getötet worden, als Bin-Laden-Gefolgsleute Flugzeuge in die Türme gesteuert hatten.

Nach Obamas Angaben erhielt die US-Regierung im August 2010 erste Hinweise auf den Unterschlupf Bin Ladens. In der vergangenen Wochen habe er ausreichend Informationen gehabt und sich entschlossen zu handeln, sagte Obama. Die kleine US-Einheit habe in Pakistan nahe der Hauptstadt Islamabad zugeschlagen.

Der Präsident betonte, dass mit dem Tod Bin Ladens der Kampf gegen den Terrorismus nicht zu Ende sei. Er bekräftigte, dass sich die Amerikaner nicht im Krieg mit dem Islam befänden. „Wir sind es nicht und wir waren es nicht“, betonte Obama. Er hat in seiner Fernsehansprache auch Details zum Tod des Terrorchefs geliefert. Demnach sei der erfolgreiche Einsatz, bei dem keine US-Kräfte zu Schaden kamen, sei im Vorfeld vom pakistanischen Geheimdienst unterstützt worden.

Das US-Team habe darauf geachtet, dass keine Unschuldigen getötet würden. Dem Vernehmen nach starben aber drei Männer, darunter ein Sohn des Terrorchefs, sowie eine Frau, die von einem Terroristen als "menschliches Schutzschild" benutzt worden sein soll. Osama war fünfmal verheiratet und soll bis zu 25 Kinder haben.

Er habe seinen CIA-Chef Leon Panetta gleich nach seinem Amtsantritt Anfang 2009 den Auftrag gegeben, die Tötung oder Verhaftung von Osama bin Laden in den Fokus seiner Anstrengungen zu stellen, sagte der Präsident. Das deutet darauf hin, dass die erfolgreiche Aktion von Geheimdienstlern und nicht vom Militär ausgeführt wurde. Panetta wird im Juni das Verteidigungsministerium vom amtmüden Robert Gates übernehmen.

Einsatz bei Abbotabad

Im vergangenen August sei Obama informiert worden, dass man eine Spur des Terrorchefs gefunden habe. Es dauerte Monate, bis sie sich als konkret erwies. „Vergangene Woche hatten wir genügend Informationen und ich befahl den Einsatz“, sagte der Präsident.

Der Ort Abbotabad liegt rund 115 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad. Oft war spekuliert worden, der Terrorist befinde sich in abgelegenen und kaum zugänglichen Stammesgebieten mit versteckten Schluchten und Höhlen.

Offenkundig war das US-Team aus Afghanistan mit Hubschraubern zum Einsatz gegen das mit Drahtverhauen und bis zu mehreren Metern dicken Mauern geschützte Anwesen des Terrorchefs eingeflogen.

Osama bin Laden hat in verschiedenen Video- und Audiobotschaften die Verantwortung für den Terrorschlag vom 11. September 2001 gegen die USA übernommen. Rund 3000 Menschen starben, als Al-Qaida-Terroristen Passagiermaschinen entführten und in die Zwillingstürme des World Trade Center in Manhattan und in das Verteidigungsministerium vor den Toren Washingtons flogen.

25 Millionen Dollar Kopfgeld

Ein weiteres entführtes Flugzeug, das Ziele in Washington angreifen sollte, stürzte über Pennsylvania ab, nachdem Passagiere gegen die Terroristen vorgegangen waren.

Bereits wegen seiner Beteiligung an den Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Dar es Salaam (Tansania) und Nairobi (Kenia) vom 7. August 1998, bei denen 200 Menschen starben, stand bin Laden auf der FBI-Fahndungsliste der „Zehn Meistgesuchten“.

Auf seinen Kopf waren 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Der aus einer reichen Unternehmerfamilie mit engen Drähten zum saudischen Königshaus stammende bin Laden hatte die sowjetischen Invasion in Afghanistan im Dezember 1979 in den Reihen der Mudschahedin bekämpft. 1988 gründete er das Terrornetzwerk al-Qaida.

In Washington war am Sonntagabend zum gänzlich unüblichen Termin um 22.30 Uhr eine Präsidentenerklärung angekündigt worden. Der Auftritt Obamas verschob sich dann aber noch um mehr als eine Stunde.

Dem Vernehmen nach rief der US-Präsident noch politische Verantwortungsträger in Washington und Staats- und Regierungschefs in der ganzen Welt an, um sie über das erfolgreiche Ende der Jagd auf den Terrorchef vorab persönlich zu informieren.