So was geht ja unter im Parteitagsgetümmel: Ole von Beust ist nicht zu seiner eigenen Verabschiedung gekommen. Der Zug sei stecken geblieben, sagt Frau Merkel. Irgendwas sei ja immer. Man lässt sich von solch Missgeschick natürlich nicht lange aufhalten auf einem CDU-Parteitag und beschenkt den Abwesenden jetzt erst recht. Er soll Herbert Gruhls „Der geplünderte Planet“ lesen - ein Autor, der so etwas ist wie der bürgerliche Baustein bei der Gründung der Grünen. Von Beust hat die ja in seinem Lebenswerk wieder herangeführt an die Union, per schwarz-grüner Koalition, was Merkel derzeit eigentlich für Pfui hält. Aber Ole ist ja nicht da.

Statt seiner muss nun Christoph Ahlhaus den Gruhl entgegennehmen, der Nachfolger von Beust als Erster Bürgermeister in Hamburg. Er tappst ein bisschen wie ein Alien durch die Hallen der Karlsruher Messe, was zum einen an dem fulminanten Fehlstart liegen dürfte, den er als Bürgermeister von Hamburg hingelegt hat, aber ein bisschen auch an der Grüne-Nein-Danke-Stimmung, die gerade Konjunktur hat in der Union. Merkel fragt Ahlhaus jetzt, ob er denn heute schon gesprochen habe mit Ole von Beust und ob es tatsächlich an einem steckengebliebenen Zug liege, dass der Vorgänger nicht gekommen sei. Ahlhaus sagt brav: „Ja, das sei wirklich so.“ Aber wer Ole von Beust kennt, der kann sich auch ganz gut vorstellen, dass er notfalls eigenhändig eine Weiche verstellt hätte, um nicht teilnehmen zu müssen an dieser merkwürdigen Abschiedsparty.

Wahrscheinlich hätte von Beust sonst auch noch einen Platz zugewiesen bekommen an jenem Ehrentisch, um den herum die Hobby-Fotografen unter den Parteitagsdelegierten kreisen und sich zum Teil kräftig verrenken, um vielleicht doch noch ein Foto zu schießen von Helmut Kohl. Der Alt-Kanzler ist zum Baden-Württemberg Abend gekommen und wer ihn da sitzen sieht, wächsern, fast unbeweglich in seinem Rollstuhl, der stellt sich ganz zwangsläufig die Frage, ob das eine kluge Entscheidung der Beteiligten war, den Altvorderen hier so zur Schau zu stellen. Angela Merkel geht dann auch noch rechtzeitig, es wird ein bisschen einsam um Helmut Kohl, die Fotoapparate aber blitzen und klicken immer noch. Ein Ministerpräsident findet das unwürdig.

Ein anderer Landesvorsitzender fühlt sich auch nicht so ganz angemessen behandelt. Dabei hatte es die Parteitagsregie bestimmt ganz gut gemeint mit Thomas Röwekamp, dem Bremer CDU-Chef, der im kommenden Jahr Landtagswahl hat - was nicht zwangsläufig ein Freudenfest ist für einen Christdemokraten an der Weser. Also darf Röwekamp Sitzungspräsident sein am späten Montagabend. Und trifft in seiner Bemühung, die Debatte um genetische Untersuchungen an Embryonen unter einigermaßen würdevollen Umständen ablaufen zu lassen, auf ein Wesen, dass es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. Den Basta-Kanzler, in diesem Fall die Basta-Kanzlerin.

Röwekamp hatte versucht, die mehr als 20 angemeldeten Redebeiträge zur PID-Debatte per Abstimmung zeitlich begrenzen zu lassen, was allein Blick auf die fortgeschrittene Zeit und den wartenden Altkanzler beim Baden-Württemberg-Abend keine dumme Idee war. Aber die Mehrheiten waren unklar und so griff die Kanzlerin ein, klaute Röwekamp die Sitzungsleitung und zog, schob, trieb die Versammlung in die von ihr gewünschte Richtung: Verschiebung der PID-Debatte auf den nächsten Morgen. Ein ums andere mal nahm Merkel Röwekamp das Wort, zwang ihm schließlich eine schriftliche Abstimmung auf und gewann. Es blieben verdrehte Augen auf der Großbildleinwand und ein sehr dynamisch tanzender Röwekamp in der Parteitagsdisko. Man hat es wahrlich nicht leicht als Bremer in der CDU.