Bundespräsidentenwahl

Dritter Wahlgang - Linke gibt Stimmen frei

Die Wahl des Bundespräsidenten bleibt spannend. Nachdem Christian Wulff auch im zweiten Wahlgang durchgefallen ist, reicht nun bei der dritten und letzen Abstimmungsrunde die einfache Mehrheit. Doch auch die könnte knapp werden. Die Linke hat ihre Kandidatin aus dem Rennen gezogen.

Nach dem Scheitern des CDU-Politikers Christian Wulff in den ersten beiden Durchgängen der Bundespräsidentenwahl hat die Bundesversammlung in Berlin ein drittes Mal gewählt. Die Stimmen werden anschließend ausgezählt. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) eröffnete die voraussichtlich entscheidende Abstimmung im Berliner Reichstagsgebäude. Im dritten Wahlgang reicht nun die einfache Mehrheit, das heißt: Zum Bundespräsidenten gewählt wird, wer die meisten Stimmen auf sich vereinen kann. Nur im äußerst unwahrscheinlichen Fall von Stimmengleichheit müsste erneut gewählt werden.

Die Linkspartei verzichtet im dritten Wahlgang in der Bundesversammlung auf einen eigenen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten. „Lukrezia Jochimsen hat uns gebeten zu verstehen, dass sie in dem dritten Wahlgang nicht mehr antreten will, weil es jetzt um die relative Mehrheit geht“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Gregor Gysi.

Auf eine Wahlempfehlung für ihre 124 Wahlleute verzichtete die Linkspartei. Der schwarz-gelbe Kandidat, Christian Wulff, und der Kandidat von SPD und Grünen, Joachim Gauck, seien aber für die Linkspartei nicht wählbar. „Deshalb gehe ich davon aus, dass die meisten unserer Wahlfrauen und Wahlmänner sich der Stimme enthalten werden.“ Die Abstimmung sei für die Linken-Parlamentarier freigegeben. „Wir werden dann sehen, wie das Ergebnis aussieht.“

Favorit Christian Wulff war in den ersten beiden Wahlgängen durchgefallen, weil er die notwendige absolute Mehrheit von 623 Stimmen verfehlte. Im zweiten Wahlgang erhielt er 615 Stimmen. Der Kandidat von SPD und Grünen, Joachim Gauck, erhielt 490 der 1.238 gültigen Stimmen. Für die Kandidatin der Linken, Jochimsen, stimmten 123 Delegierte. Sieben Delegierte enthielten sich. Der Kandidat der rechtsextremen NPD, Frank Rennicke, bekam drei Stimmen. Rennicke tritt zum dritten Wahlgang nicht mehr an. Eine Stimme war ungültig.

Die Linkspartei war mit der früheren Journalistin Jochimsen in die Abstimmungen gegangen. Nach ihrem Verzicht könnte die Linkspartei Gauck stärken. SPD und Grüne hatten nach dem zweiten Wahlgang die Linke aufgefordert, nicht dem Koalitionskandidaten Wulff zur Mehrheit zu verhelfen.

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