Piratenpartei

Computerfreaks ärgern in Berlin die Großen

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Alexander Krex

Die Piratenpartei ist bundesweit etwas über zwei Prozent gekommen. In Berlin fanden sie deutlich mehr Anklang. In den Wahlkreisen Friedrichshain, Kreuzberg und Prenzlauer Berg Ost durchbrachen sie sogar locker die Fünf-Prozent-Marke.

„Eigentlich wollte ich gar nicht wählen gehen“, sagt Anna Reiß. Die 29-jährige aus Kreuzberg tat es dann aber doch. Und stimmte für die Piratenpartei. „Ich habe die Piraten aus Protest gewählt“, sagt sie. Auf einmal seien da diese neuen Leute auf dem Markt gewesen. Das habe sie motiviert, doch zur Urne zu gehen. Johannes Eckert hingegen sagt, die Piraten hätten die wichtigsten Themen ausgeklammert, den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr zum Beispiel: „Das ist nur eine Partei für junge Computerfreaks.“ Dass bundesweit 13 Prozent der männlichen Erstwähler für die Piraten votierten, mag diese These stützen.

Doch aus welchen Grund auch immer: Besonders die Berliner nutzten den „Änderhaken“, wie es auf einem Wahlwerbeplakat der Piratenpartei hieß. In der Hauptstadt kam sie auf überdurchschnittliche 3,4 Prozent. Ähnlich gute Ergebnisse erzielte sie nur noch in Tübingen und Braunschweig, mit jeweils 3,5 Prozent. In Friedrichshain, Kreuzberg und Prenzlauer Berg Ost durchbrachen sie sogar die Fünf-Prozent-Marke und errangen 6,2 Prozent.

Eine eigene, orangefarbene Säule im Diagramm zur Stimmenverteilung bekamen die Piraten am Sonntag nicht, obwohl sie es sich so sehr gewünscht hatten. Einen beachtlichen Erfolg konnte die junge Partei trotzdem verbuchen: Zwei Prozent der Zweitstimmen erreichte sie aus dem Stand. Ihr Kernthema ist der Kampf gegen die Überwachung im Internet.

Die Journalisten, die die Wahlparty besuchten, hätten immer wissen wollen, ob die Piraten enttäuscht seien, erzählt Spitzenkandidat Florian Bischof: „Niemand war enttäuscht. Zwei Prozent auf Anhieb zu erreichen ist toll. Das haben damals nicht mal die Grünen geschafft.“ Dass es nicht für den Einzug in den Bundestag gereicht hat, fanden nicht alle Piraten schlecht: „So haben wir noch Zeit, uns besser aufzustellen.“


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