Angesichts der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben die USA ihre Raketenabwehr und andere Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Dies sagte US-Generalstabschef Martin Dempsey am Sonntag. Zwar sei keine Militäraktion Nordkoreas absehbar. „Aber ich kann es nicht darauf ankommen lassen“, sagte Dempsey. Die USA hätten sich auf weitere Provokationen aus Pjöngjang vorbereitet.

Zuvor war bekannt geworden, dass hohe amerikanische und südkoreanische Militärs eine Reise nach Washington abgesagt hatten, um in Südkorea auf dem Posten zu bleiben. Die US-Regierung verschob einen schon länger geplanten Test einer Interkontinentalrakete, damit Nordkorea sich nicht provoziert fühlt.

Pjöngjang selbst könnte nach südkoreanischen Spekulationen schon bald eine weitere Rakete testen. Dies oder andere geplante Provokationen könnten hinter der mysteriösen Warnung von letzter Woche stehen, dass Nordkorea ab Mittwoch nicht mehr für die Sicherheit der ausländischen Botschaften im Land garantiere, sagte der südkoreanische Sicherheitsbeamte Kim Jang Soo am Sonntag. Die meisten der betroffenen Länder – auch Deutschland – hatten auf die Warnung aus Pjöngjang zunächst nicht mit Abzug des Personals reagiert. Sie beobachten die Lage.

Gespräche über Atomprogramm seit 2009 ausgesetzt

Südkorea hatte am Donnerstag erklärt, Nordkorea habe eine Rakete mit erheblicher Reichweite an seine Ostküste verlegt. Daraufhin hatte eine Sprecherin der südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye die Vermutung geäußert, die Aufforderung an die ausländischen Diplomaten zum Verlassen des Landes könnte mit einem geplanten Raketenstart oder einer Provokation am oder um den Mittwoch zusammenhängen.

Der Sicherheitsbeamte Kim meinte, hauptsächlich gehe es Pjöngjang darum, mit den Drohgebärden den USA und Südkorea Zugeständnisse und die Eröffnung eines neuen Dialogs abzuringen. Washington und Seoul drängen Nordkorea ihrerseits, die Sechsergespräche über sein Atomprogramm wieder aufzunehmen. Diese sind seit 2009 ausgesetzt.

Die Spannungen hatten sich zugespitzt, seit Nordkorea in den vergangenen Monaten eine Rakete und eine weitere Atombombe erfolgreich getestet hatten. Danach hatten die Vereinten Nationen die Sanktionen gegen Pjöngjang verschärft. Die USA und Südkorea demonstrierten mit einer großen Militärübung Stärke. Pjöngjang drohte daraufhin mit Krieg und Atomschlägen.

USA sagen Raketentest ab, um Lage zu beruhigen

Mit der Absage des US-Raketentests will Washington nach eigener Darstellung die Lage beruhigen. Verteidigungsminister Chuck Hagel habe entschieden, den lange geplanten Flug der Rakete vom Typ „Minuteman 3“ auf Mai zu verschieben – aus Sorge, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel sonst zu verschärfen. Die USA verfügen über rund 450 Interkontinentalraketen vom Typ „Minuteman 3“ mit Atomsprengköpfen. Hinzu kommen Atomraketen auf U-Booten und Bombern.

Angesichts der Spannungen mahnte der chinesische Präsident Xi Jinping zur Mäßigung. Keinem Staat sei es erlaubt, eine Region oder sogar die ganze Welt aus Eigennutz ins Chaos zu stürzen, sagte er am Sonntag. Die australische Premierministerin Julia Gillard forderte, China müsse mäßigend auf Nordkorea einwirken.

Auch das iranische Außenministerium mahnte alle Beteiligten, auf provokatives Verhalten zu verzichten. Die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea und den USA müssten so schnell wie möglich unter Kontrolle gebracht werden.

AP/alu