Atomkrieg

Nordkorea ruft den „Kriegszustand“ aus

In einer neuen Eskalation hat Nordkorea dem Süden den Krieg erklärt und mit Atomschlägen gedroht. Die USA nehmen die Drohung ernst.

Foto: OTA**TOK** KAJ**TOK** JK**TOK** / AP

60 Jahre nach dem Korea-Krieg droht der koreanischen Halbinsel ein neuer bewaffneter Konflikt: Nordkoreas Regierung, Kommunistische Partei und Organisationen erklärten am Sonnabend in einer gemeinsamen Erklärung, ihr Land sei in den Kriegszustand mit Südkorea eingetreten. Alle Angelegenheiten zwischen beiden Seiten würden von nun nach dem Kriegsprotokoll behandelt. Auf jegliche Provokationen der USA und Südkorea werde ohne Vorwarnung reagiert. Der Koreakrieg wurde 1953 nur mit einem Waffenstillstand beendet, zu einem Friedensschluss kam es bis heute nicht.

Die jahrelange Situation auf der koreanischen Halbinsel, die sich „weder im Frieden, noch im Krieg“ befunden habe, sei nun vorüber, hieß es in der von KCNA verbreiteten gemeinsamen Erklärung sämtlicher Regierungsinstitutionen des Landes. Jede militärische Provokation nahe der Land- oder Seegrenze zwischen Nordkorea und Südkorea werde einen „umfassenden Konflikt und einen Atomkrieg“ nach sich ziehen, hieß es weiter.

Pjöngjang hatte bereits mit kriegerischer Rhetorik auf UN-Sanktionen reagiert, die nach seinem Atomwaffentest am 12. Februar verhängt worden waren. So wurde bereits der Waffenstillstand aufgekündigt, und der nordkoreanische Führer Kim Jong-un versetzte in dieser Woche seine Truppen wegen gemeinsamer Manöver der USA und Südkoreas in höchste Alarmbereitschaft. Nach einem Übungsflug von atomwaffenfähigen B-2-Tarnkappenbombern nach Südkorea drohte er mit Raketenangriffen auf Seoul und Washington.

„Rechnungen mit den USA begleichen“

Seine Truppen seien bereit, „Rechnungen mit den USA zu begleichen“, erklärte Kim. Staatsmedien veröffentlichten später ein Foto von Kim und seinen Generalen, das sie beim Studieren einer Karte mit möglichen Zielen in den USA zeigten. Die Karte hatte den Titel „Angriffsplan für das US-Festland“.

Zuvor hatte Kim bereits die Raketen des Landes für mögliche Angriffe in Bereitschaft gesetzt. Bereits am Dienstag hatte Pjöngjang mit Angriffen auf Ziele in den USA und Südkorea gedroht und angeblich die Sondereinheiten seiner gesamten Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt.

Begrenzter militärischer Zwischenfall möglich

Die USA erklärten, die Berichte über eine „neue und unkonstruktive Erklärung aus Nordkorea“ zur Kenntnis genommen zu haben. „Wir nehmen diese Drohungen ernst und bleiben in engem Kontakt mit unseren südkoreanischen Verbündeten“, sagte Caitlin Hayden, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, am Freitag (Ortszeit) in Washington. Sie verwies indes darauf, dass Nordkorea eine „lange Geschichte der Kriegsrhetorik und Drohungen“ habe. „Die heutige Ankündigung folgt diesem bekannten Muster.“

Ähnlich äußerte sich auch Südkorea. „Das ist keine wirklich neue Drohung“, erklärte das südkoreanische Vereinigungsministerium. Die Ankündigung sei vielmehr Teil einer „Reihe provokativer Drohungen“. Das Verteidigungsministerium in Seoul erklärte, bislang sei entlang der gemeinsamen Grenze keine entscheidende Truppenbewegung beobachtet worden.

Mittelstrecken-Raketen könnten Japan erreichen

Beobachter vermuten, Nordkorea wolle die USA mit seinen Kriegsdrohungen an den Verhandlungstisch zwingen, ein Krieg sei unwahrscheinlich und selbstmörderisch für Pjöngjang. Angesichts der aufgeheizten Atmosphäre könnte es aber durchaus dennoch zu einem begrenzten militärischen Zwischenfall kommen.

Experten gehen zudem nicht davon aus, dass Nordkorea in der Lage ist, die USA mit einer Atombombe anzugreifen. Narushige Michishita vom japanischen National Graduate Institute for Policy Studies sagte, Nordkorea habe bislang noch nicht erfolgreich interkontinentale Raketen getestet. Jedoch könnten Mittelstreckenraketen seiner Einschätzung zufolge US-Militärziele in Japan erreichen. Am naheliegendsten wäre aus seiner Sicht aber ein kleinerer Angriff an der koreanischen Westküste, der die USA nicht veranlassen würde, mit aller Macht militärisch einzugreifen.

Nordkorea droht mit Schließung der Wirtschaftszone

Nach Angaben der südkoreanischen Regierung konnten südkoreanische Arbeiter auch am Sonnabend wie gewohnt in die gemeinsame Wirtschaftszone Kaesong in Nordkorea einreisen. Die Fabriken in dem nordkoreanischen Industriepark werden von südkoreanische n Unternehmen finanziert.

Allerdings meldete sich hier wieder Nordkorea zu Wort. Die Regierung drohte damit, den gemeinsam mit Südkorea betriebenen Industriepark zu schließen. Dies könne geschehen, wenn Südkorea weiter die Würde des Nordens untergrabe, erklärte ein Sprecher des Komplexes an der Grenze zwischen den beiden koreanischen Staaten. Nordkorea ist empört über westliche Medienberichte, dass es die Fabriken nur offen lasse, weil sie eine Devisenquelle sind.

Westerwelle warnt Nordkorea vor Eskalation

Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte Nordkorea vor einer Eskalation der Sicherheitslage. Das Verhalten des Landes sei eine ernste Gefahr für den Frieden in der gesamten Region, schrieb der FDP-Politiker in einem Gastkommentar für die „Bild“-Zeitung. Was auf der koreanischen Halbinsel geschehe, betreffe die Sicherheitsarchitektur der ganzen Welt. „Das unverantwortliche Spiel Nordkoreas mit dem Feuer muss aufhören“, mahnte Westerwelle.

Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler, bescheinigte Nordkorea eine „besondere Aggressionsrhetorik“. Diese sei jedoch „nicht völlig neu“, sagte er der Zeitung „Bild am Sonntag“. Zwar sehe er die Gefahr einer „regionalen Eskalation“, sagte Schindler. Jedoch gehe der BND davon aus, „dass Nordkorea keinen Krieg will“.

Der Einsatz der B-2-Tarnkappenbomber bei einem Manöver mit südkoreanischen Streitkräften hat die USA 2,1 Millionen Dollar (1,6 Millionen Euro gekostet. Das gab die US-Luftwaffe am Freitag bekannt. Angesichts immer kriegerischer werdender Töne aus Nordkorea war die B-2-Mission am Donnerstag von Beobachtern in der Region als amerikanische Demonstration der Stärke aufgefasst worden.

Die russische Regierung rief am Sonnabend zur Ruhe auf. Nord- und Südkorea müssten ebenso wie die USA „größte Verantwortung und Zurückhaltung“ üben, sagte der Sondergesandte des Außenministeriums, Grigori Logwinow, in Moskau der Nachrichtenagentur Interfax. Niemand dürfe „die Linie überschreiten, hinter der es kein Zurück mehr gibt“. „Natürlich können uns die Spannungen an unserer östlichen Grenze nicht kaltlassen“, sagte Logwinow weiter. Das Außenamt in Moskau schätze die Lage als „sehr angespannt und gefährlich“ ein.

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