Justiz

US-Gericht hebt Todesstrafe gegen gebürtige Berlinerin auf

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Todesurteil gegen Debra Milke hob ein Berufungsgericht in den USA die Strafe auf. Ihre Mutter und Schauspielerin Uschi Glas hatten lange für sie gekämpft.

Foto: Horst Ossinger / dpa

22 Jahre wartete sie auf die Todesspritze – nun könnte die in Berlin geborene Debra Milke (49) überraschend in Freiheit kommen. Ein Bundesberufungsgericht in San Francisco hat die 1990 verhängte Todesstrafe gegen die Frau aufgehoben. Damals war der Richter überzeugt, dass sie den Mord an ihrem vierjährigen Sohn eingefädelt hat. Doch jetzt erklärte das Gericht, Milke habe keinen fairen Prozess erhalten.

In der am Donnerstag veröffentlichten Entscheidung spricht Richter Alex Kozinski von einem „besorgniserregenden Fall“. Der Generalstaatsanwalt von Arizona will jedoch gegen das Urteil Berufung einlegen.

Die Deutsch-Amerikanerin sitzt wegen Anstiftung zum Mord im Frauengefängnis von Perryville im US-Staat Arizona. Die meiste Zeit verbrachte sie dort in Einzelhaft.

Die in Berlin geborene und in den USA aufgewachsene Tochter eines Amerikaners und einer Deutschen hat stets auf ihre Unschuld gepocht. Vom Auswärtigen Amt in Berlin hieß es Samstag: „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass es sich bei Frau Milke um eine deutsche Staatsangehörige handelt.“

Milke war von einer Jury im Alter von 25 Jahren dafür verurteilt worden, 1989 zwei Männer angestiftet zu haben, ihren vier Jahre alten Sohn zu töten. Auch sie erhielten die Todesstrafe.

Einziger Zeuge hatte „lange Vorgeschichte“ als Lügner

Der kleine Junge war mit einem Mitbewohner seiner Mutter und dessen Freund zu einem Ausflug aufgebrochen. Doch die Männer fuhren das Kind in die Wüste und töteten es durch mehrere Schüsse in den Kopf. Einer der beiden Männer hatte kurz darauf gestanden, die Polizei zum Tatort gebracht und Debra Milke belastet. Sie habe die Männer angestiftet und ihnen Geld geboten.

Richter Kozinski zufolge gab es keine direkten Beweise oder Augenzeugen, die Milke mit der Tat in Verbindung gebracht hätten. Ein Ermittler der Polizei jedoch hatte behauptet, dass Milke ihm ihre Mitschuld gestanden habe. Der Mann, der als Hauptzeuge in ihrem Verfahren auftrat, hatte dafür weder Tonaufnahmen noch ein Protokoll.

In dem Prozess sei es um ihre Aussage gegen die Aussage des Ermittlers gegangen, befand Kozinski. Die Jury habe dem Detektiv geglaubt, ohne zu wissen, dass der Beamte eine „lange Vorgeschichte“ als Lügner unter Eid und für anderes Fehlverhalten hatte.

Nun könnte ein neuer Prozess bevorstehen

Der Generalstaatsanwalt von Arizona kritisierte am Freitag die Entscheidung des zuständigen US-Berufungsgerichts in Kalifornien. Milke habe ein „schreckliches Verbrechen“ begangen, zitierte der US-Sender CNN aus einer Mitteilung von Tom Horne. Sie sei damals schuldig befunden worden, die Tötung ihres eigenen Kindes, das ihr zur Last geworden sei, zu planen, sagte der Justizbeamte.

Die Staatsanwaltschaft in Arizona muss nun innerhalb eines Monats entscheiden, ob der Fall neu vor Gericht gehen soll. Ansonsten muss Milke nach Anordnung eines Bezirksgerichts freigelassen werden.

In Deutschland kämpfte Uschi Glas (69) jahrelang um Gerechtigkeit für Milke. „Das Engagement, der Kampf, haben sich endlich gelohnt“, sagte die Schauspielerin dem „Berliner Kurier“ vom Samstag. Milkes Mutter Renate Janka hatte Glas demnach am Abend der Richterentscheidung angerufen. „Als Renate mir sagte, dass es Hoffnung gibt, dass der Fall ihrer Tochter neu aufgerollt wird – da habe ich vor Freude einen Luftsprung gemacht.“