Angriffsserie

Taliban demonstrieren ihre Macht in Afghanistan

In Kabul und in drei Provinzhauptstädten haben die Taliban zeitgleich zugeschlagen, um ihre anhaltende Stärke unter Beweis zu stellen.

Als Demonstration ihrer anhaltenden Stärke haben die Taliban in Afghanistan am Sonntag in einer koordinierten Aktion Regierungsgebäude, Botschaften und Militärstützpunkte in mehreren Städten angegriffen. Auch auf dem Gelände der deutschen Botschaft in Kabul richteten die Anschläge Schäden an. Ein Talibansprecher erklärte, zig Kämpfer mit Waffen und Sprengstoffwesten seien im Einsatz. Die Gefechte dauerten vielerorts am Abend noch an. Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte die Angriffe in aller Schärfe.

Die Anschläge in Kabul begannen am Nachmittag mit einer Serie von Explosionen im Diplomatenviertel Wasir Akbar Chan. Kurz danach war schweres Maschinengewehrfeuer zu hören. Neben einem Stützpunkt der Nato-Truppen befinden sich in dem Stadtteil zahlreiche Botschaften. Bei den Angriffen in der Hauptstadt wurden nach Angaben des Innenministeriums mindestens zwei Angreifer getötet. Mehrere Menschen wurden laut Krankenhausberichten verletzt.

Angreifer feuerten Raketen ab

Die Nato teilte in einer Stellungnahme mit, allein in Kabul befänden sich sieben Einrichtungen unter Beschuss. Durch Explosionen in der näheren Umgebung habe es auch kleinere Sachschäden auf dem Gelände der deutschen Botschaft gegeben, teilte Außenminister Westerwelle in Berlin mit. „Zum Glück wurde dabei niemand verletzt. Derzeit befinden sich die Mitarbeiter der Botschaft an einem sicheren Ort.“

Angreifer feuerten von einem hohen Gebäude aus Raketen in unterschiedliche Richtungen ab, berichtete ein Reporter. Nahe Kabul wurde der Nato-Stützpunkt Camp Warehouse mit Granaten beschossen. Griechische und türkische Soldaten hätten das Feuer erwidert, sagte ein Reporter.

Auch aus den Städten Dschalalabad und Gardes im Osten des Landes wurden Angriffe gemeldet. In Dschalalabad wurden nach Behördenangaben mindestens drei Angreifer getötet, die Sprengsätze am Körper getragen hätten. In Gardes verschanzten sich Militante in einem Gebäude. Afghanische Sicherheitskräfte umstellten das Haus.

Frühjahrsoffensive der Taliban angekündigt

Die radikalislamischen Taliban erklärten, zahlreiche Selbstmordattentäter hätten den Nato-Stützpunkt, die deutsche und die britische Botschaft, das Parlamentsgebäude, zwei Hotels und Ziele entlang der Darulaman-Straßen, an der die russische Botschaft liegt, angegriffen. Auch in den Hauptstädten der Provinzen Nangarhar, Logar und Paktia würden afghanische und Nato-Einrichtungen von schwer bewaffneten Kämpfern attackiert, hieß es in einer Erklärung von Talibansprecher Sabiullah Mudschahid.

Die Taliban wollten ihre Stärke beweisen, nachdem sie von Nato-Truppen als geschwächt bezeichnet worden seien, sagte Mudschahid. Die Angriffe seien der Vorbote der vor kurzem angekündigten Frühjahrsoffensive der Taliban.

Westerwelle: Gewalt stoppt Engagement nicht

„Die Ereignisse zeigen, wie schwierig die Lage in Afghanistan immer noch ist“, erklärte Westerwelle. „Feststeht: Wir werden uns durch diese Gewalt nicht von unserem Engagement für eine friedliche Zukunft Afghanistans, die innere Aussöhnung und einen erfolgreichen politischen Prozess abbringen lassen.“

Deutschland und die Nato wollten trotz aller Rückschläge ihren Einsatz für eine friedliche und gute Zukunft des Landes fortsetzen. Dabei gelte es, die Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte verantwortungsvoll zu organisieren, betonte Westerwelle.