Attentate

Sarkozy warnt vor Ausstrahlung des Mord-Videos

Der Attentäter von Toulouse soll seine Taten gefilmt haben. Sarkozy bittet um die Nicht-Ausstrahlung des Videos, das Al-Dschasira vorliegt.

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Nach dem Auftauchen eines Videos mit der Attentatsserie von Toulouse hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die Fernsehsender vor einer Ausstrahlung gewarnt. „Aus Respekt vor den Opfern und vor der Republik“ solle der Film nicht gezeigt werden, sagte Sarkozy am Dienstag in Paris. Die Ermittler suchen inzwischen nach einem weiteren Komplizen des Attentäters Mohamed Merah.

Das Pariser Büro des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira hatte am Montag den Film mit dem Zusammenschnitt der Morde des 23-Jährigen erhalten und Kopien an die Polizei übergeben. Die Leitung des Senders in Katar wollte im Laufe des Tages entscheiden, ob die Bilder ausgestrahlt werden sollen.

Neben Sarkozy forderten auch die Familien der Opfer sowie die französische Fernsehaufsicht CSA die Medien auf, den Film nicht auszustrahlen. Der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande sagte, Al-Dschasira würde ansonsten seine Präsenz in Frankreich aufs Spiel setzen.

Merah hatte im Raum Toulouse in Südfrankreich sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule. Seine drei Bluttaten nahm er mit einer Videokamera auf, die er umgeschnallt hatte.

„Das ist eine Videomontage mit Bildern der verschiedenen Morde mit Musik und Koranversen“, berichtete ein Ermittler. Der Film sei auf einem USB-Stick gespeichert gewesen und außerhalb von Toulouse abgeschickt worden. Zudem enthielt die Sendung einen handschriftlichen Bekennerbrief, der von Merah unterzeichnet worden sei.

Noch sei unklar, wer das Video am vergangenen Mittwoch abgeschickt habe, aber es „kann nicht Mohamed Merah sein“, teilte die Polizei mit. Merah war am frühen Mittwochmorgen in seiner Wohnung in Toulouse von der Polizei umzingelt und nach mehr als 30-stündiger Belagerung erschossen worden.

Nach einem zweiten Komplizen Merahs sucht die Polizei auch, weil neben dem Bruder ein weiterer Mann an dem Diebstahl des Motorrollers beteiligt gewesen sein soll, mit dem Merah von den Tatorten flüchtete. Der dritte Mann war laut Ermittlern womöglich auch an weiteren Vorbereitungen der Anschläge beteiligt, etwa indem er Motorrad-Zubehör gekauft habe.

Bisher beharrten die Ermittler darauf, dass Merah ein Einzeltäter gewesen sei, der aber vielleicht von seinem älteren Bruder Abdelkader unterstützt wurde. Merah hatte sich als Mitglied des Terrornetzwerks Al-Kaida bezeichnet.

Der Inlandsgeheimdienst DCRI wies den Vorwurf zurück, Mohamed Merah sei ein Spitzel der Sicherheitsbehörden gewesen. Geheimdienstchef Bernard Squarcini sagte, Merah sei weder „Informant des DCRI, noch eines anderen französischen oder ausländischen Dienstes“ gewesen. Der frühere Chef der Spionageabwehr DST, Yves Bonnet, hatte zuvor eine Spitzel-Tätigkeit vermutet. Der Zeitung „Dépêche du Midi“ sagte er, Merah sei beim DCRI nicht nur als Islamist bekannt gewesen, sondern habe dort einen Ansprechpartner gehabt.

Sarkozy zeigte sich „empört“ darüber, dass der Vater des Attentäters den französischen Staat verklagen wolle. Mohamed Benalel Merah, der in Algerien lebt, hatte am Montagabend eine Klage angekündigt, weil Frankreich seinen Sohn getötet habe. Der Attentäter von Toulouse soll dem Wunsch seiner Mutter entsprechend in Algerien bestattet werden, wie der Rat der Muslime (CFCM) in Frankreich mitteilte.

Behörden zweifeln an Angaben des Attentäters

Die Anschläge soll Mohamed Merah verübt haben. Der 23-jährige Franzose wurde in der vergangenen Woche bei einem Polizeieinsatz getötet. Merah sagte damals der Polizei, er habe Verbindungen zur Al-Kaida, sei nach Afghanistan gereist und habe in Pakistan eine Schießausbildung erhalten. Die Behörden bezweifeln einige dieser Angaben.

Die Staatsanwaltschaft hat erklärt, Merah habe all seine Taten gefilmt, die am 11. März mit der Ermordung eines französischen Soldaten begannen. Später wurden zwei weitere Soldaten, drei jüdische Kinder und ein Rabbi getötet.