Toulouse

Ermittler suchen nach Komplizen von Mohamed Merah

Nach der Serie von Attentaten in Toulouse mehren sich die Spekulationen über einen Komplizen des Täters - nicht zuletzt durch ein Tatvideo.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Nach der Serie von Attentaten im südfranzösischen Toulouse suchen die Ermittler nun nach einem zweiten Komplizen des Täters Mohamed Merah. Dabei gehe es um den Diebstahl des Motorrollers, den Merah bei seinen drei Bluttaten benutzt hatte, hieß es am Dienstag von Seiten der Polizei in Paris. Dieser dritte Mann, der noch nicht identifiziert sei, sei womöglich auch vor den Anschlägen an Vorbereitungen beteiligt gewesen, etwa indem er Motorrad-Zubehör gekauft oder sich zur Abschaltung der Diebstahlsicherung kundig gemacht habe.

Bisher hatten die Ermittler mitgeteilt, dass Mohamed Merah ein Einzeltäter gewesen sei, der vermutlich von seinem älteren Bruder unterstützt wurde. Der Bruder soll auch an dem Diebstahl des Motorrollers beteiligt gewesen sei. Gegen Abdelkader Merah, der in der Nähe von Paris inhaftiert ist, läuft ein Ermittlungsverfahren.

Merah hatte im südfranzösischen Toulouse sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule. Von den drei Tatorten war er jeweils mit einem Yamaha-Motorroller geflüchtet. Er wurde später von der Polizei in seiner Wohnung in Toulouse umstellt und nach mehr als 30-stündiger Belagerung am vergangenen Donnerstag erschossen. Merah hatte sich selbst als Mitglied der islamistischen Terrornetzwerks Al-Quaida bezeichnet.

Tatvideo mit handgeschriebenem Bekennerschreiben

In Frankreich haben Spekulationen über einen Komplizen des Serienmörders von Toulouse unterdessen auch durch ein Tatvideo Auftrieb erhalten. Eine Kopie der Aufnahmen war dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira nach eigenen Angaben zugeschickt worden. In der französischen Öffentlichkeit wird spekuliert, dass ein Komplize das Video abgeschickt haben könnte. Merah hatte seine Verbrechen nach Angaben der Ermittler selbst gefilmt.

„Man sieht alle Taten drauf“, sagte der Pariser Büroleiter des Senders, Zied Tarrouche, am Dienstag dem TV-Kanal BFM. Auch die Schreie der Opfer seien klar zu hören. Die Chefredaktion werde entscheiden, ob Teile des Videos gesendet werden.

Dem Video habe ein handgeschriebenes Bekennerschreiben in fehlerhaftem Französisch beigelegen. Die Behörden, die beides untersuchten, halten die Aufnahmen für authentisch. Sie bezweifeln aber eine Beteiligung des Terrornetzwerks Al-Quaida. Merah hatte sich selbst als Gotteskrieger bezeichnet und erklärt, dem Terrornetzwerk Al-Quaida nahezustehen.

Die Sendung trug den Poststempel vom vergangenen Mittwoch, schrieb die Zeitung „Le Parisien“. An diesem Tag hatte die Belagerung des Appartements bereits begonnen, in dem der Serienmörder nach einem mehr als 30-stündigen Nervenkrieg von der Polizei erschossen wurde. Die Ermittler interessiert nun, ob Merah selbst das Päckchen am Dienstagabend aufgegeben hat oder ob es am Mittwochmorgen von einem Komplizen abgeschickt wurde.

Merah reiste 2010 mit Touristenvisum in Palästinensergebiete

Der Serienattentäter von Toulouse ist im Jahr 2010 für drei Tage nach Israel und in die Palästinensergebiete gereist. Mohamed Merah sei im September 2010 über die Grenze zu Jordanien in das von Israel besetzte Westjordanland eingereist, hieß es am Montagabend in israelischen Sicherheitskreisen. Er habe ein israelisches Touristenvisum gehabt und sei möglicherweise mit weiteren französischen Staatsangehörigen eingereist. Drei Tage später habe er das Land über denselben Weg verlassen.

Merah reiste damals nach Angaben des israelischen Armeeradios womöglich mit einem falschen Pass nach Israel. Eine Sprecherin der israelischen Einwanderungsbehörde sagte: „Nach unseren Überprüfungen gibt es keinen amtlichen Beleg, dass er unter seinem eigenen Namen ins Land gekommen ist.“ Es werde weiter geprüft.