Neuwahlen Nordrhein-Westfalen

Christian Lindner kehrt mit Paukenschlag zurück

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Christian Lindner hat Wort gehalten. Im Dezember verabschiedete sich der FDP-Politiker vom Amt des Generalsekretärs der Liberalen und von der großen politischen Bühne. Drei Monate und genau einen Tag später ist er wieder da: Für sein Comeback hat er sich den nordrhein-westfälischen Wahlkampf ausgesucht.

Mit einem Paukenschlag hatte er sich Ende vergangenen Jahres aus der ersten Reihe der Politik verabschiedet, mit einem Paukenschlag kehrt er jetzt zurück. Völlig überraschend hat sich Christian Lindner am Donnerstagabend zum FDP-Spitzenkandidaten in Nordrhein-Westfalen küren lassen – womit er einen der wohl schwierigsten Jobs übernimmt, den die deutsche Politik derzeit zu vergeben hat. Dass der zurückgetretene FDP-Generalsekretär so rasch zu einem Comeback anhebt, ist zumindest ein Dämpfer für Parteichef Philipp Rösler: Er hat sich Lindner nicht ausgesucht.

Es sind zuallererst Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr und der Düsseldorfer FDP-Fraktionschef Gerhard Papke, die Lindner die Kandidatur für den Urnengang im Mai angetragen haben. Bei den Beratungen des Landesvorstandes am Donnerstagabend klopfen die drei in einer separaten Runde die Kandidatur des 33-Jährigen fest, während Rösler mit dem Rest des Vorstandes in einem anderen Raum palavert.

Rösler, der nicht erst seit dem Abgang seines früheren Generalsekretärs ein schwieriges Verhältnis zu Lindner hat, kann bei den Beratungen in Düsseldorf nicht mehr viel ausrichten – obwohl er wegen der Vorgänge um die Auflösung des Landtages in Nordrhein-Westfalen extra eine Washington-Reise abgesagt hat. „Er hat an den Beratungen teilgenommen und war ein willkommener Gast“, beschreibt Lindner später im Deutschlandfunk Röslers Rolle mit vielsagenden Worten.

Zur Bedingung für seine Kandidatur hat Lindner gemacht, von Bahr den NRW-Landesvorsitz zu übernehmen – damit „ich Augenhöhe bekomme zu den Kandidaten unserer Wettbewerber“, wie er am Freitag sagt. Offenbar war Bahrs Neigung, die Spitzenkandidatur zu übernehmen, so gering, dass er dafür sogar den NRW-Landesvorsitz abtrat – obwohl der Spitzenposten im größten Landesverband als einer der wichtigsten in der Partei gilt.

Gegen Bahr als Spitzenkandidat sprach in jedem Fall, dass der erfahrene Gesundheitspolitiker mit der Landespolitik im bevölkerungsreichsten Bundesland wenig am Hut hat, während Lindner dort seine politischen Wurzeln hat. Der in Wuppertal geborene Politikwissenschaftler trat 1995 als Jugendlicher in die FDP ein und schaffte schon 1998 den Sprung in den FDP-Landesvorstand. 2004 wurde er Generalsekretär der NRW-FDP, von 2005 bis zu seinem Wechsel in den Bundestag 2009 war er Vizechef der dortigen Landtagsfraktion.

Lindners Abgang war von Differenzen zu Rösler begleitet

Ende 2009 übernahm Lindner dann unter dem damaligen Parteichef Guido Westerwelle den Posten des Generalsekretärs in Berlin: Während der Stern des damaligen Vorsitzenden jedoch bald zu sinken begann, erwarb sich der Parteimanager den Ruf eines Denkers und Strategen – etwa mit seiner Rede auf dem Dreikönigstreffen 2010, in der er das das Bild vom „mitfühlenden Liberalismus“ entwarf. Lindner schärfte das Profil der Liberalen in der schwarz-gelben Koalition auch unter dem späteren Parteichef Rösler, bevor er dann im vergangenen Dezember völlig überraschend das Handtuch warf.

Lindners Abgang war von offensichtlichen Differenzen zu Rösler begleitet – und dem Parteivorsitzenden dürfte dessen Rückkehr auf die große Bühne nun auch einiges Kopfzerbrechen bereiten. Zwar beteuert der neue FDP-Generalsekretär Patrick Döring, die NRW-Wahl werde auch bei einem Misserfolg zu keinen personellen Konsequenzen führen. Aber daran gibt es Zweifel.

In den Umfragen für die NRW-Wahl liegt die FDP derzeit deutlich unter der Fünf-Prozent-Marke. Scheitert Lindner an dieser Hürde, werde die Partei es ihm aber „nicht wirklich anlasten“, sagte der Mainzer Parteienforscher Jürgen Falter am Freitag in der ARD voraus. „Denn dann steht eigentlich der Bundesvorsitzende stärker zur Debatte.“ Gelingt dem dynamischen und wortgewandten Ex-General hingegen das Kunststück, die FDP am 13. Mai über die Fünf-Prozent-Hürde zu hieven, „wird er der neue starke Mann der FDP werden“, prophezeit Falter.

( AFP/nbo )

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