Russland

Wladimir Putin wird zum zweiten Mal Präsident

Vom Präsidenten zum Premier zum Präsidenten: Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat die Präsidentenwahl klar gewonnen.

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Der russische Regierungschef Wladimir Putin hat die Präsidentenwahl laut ersten Ergebnissen gewonnen. Demnach kam der 59-Jährige auf 61,7 Prozent der Stimmen. Das teilte die Wahlleitung am Sonntagabend mit.

In sogenannten Wählernachbefragungen (exit polls) lag Putin bei 59 Prozent. Die vier Mitbewerber um das Amt des Kremlchefs kamen demnach zusammen nicht auf so viele Stimmen, um Putin in die Stichwahl zu zwingen.

Der kommunistische Kandidat Gennadi Sjuganow errang 18 Prozent der Stimmen, die anderen drei Bewerber Wladimir Schirinowski, Sergej Mironow und der Milliardär Michail Prochorow kamen nicht über den einstelligen Bereich hinaus. Ein solches Ergebnis war erwartet worden.

100.000 Putin-Anhänger feiern

Der neue Präsident wurde das erste Mal gemäß geänderter Verfassung für sechs und damit zwei Jahre länger als bisher gewählt. Putin kann laut Grundgesetz nach seinem Zwischenspiel wieder zwei Amtszeiten als Kremlchef in Folge ableisten, wenn er 2018 noch einmal gewählt würde.

Mehr als 100.000 Putin-Anhänger feierten nach offiziellen Angaben im Zentrum von Moskau den Erfolg. Die Menschen schwenkten bei der organisierten Kundgebung russische Fahnen und hielten Schilder mit der Aufschrift „Mein Präsident heißt Putin“ in der Hand, wie die Agentur Itar-Tass meldete.

Mit Bekanntgabe erster Ergebnisse begann zudem ein Konzert auf dem Manegenplatz nahe des Kreml. Während unabhängige Wahlbeobachter und die Opposition massive Fälschungsvorwürfe erhoben, sprach Putins Wahlkampfchef von den „saubersten Wahlen in der russischen Geschichte“.

Das Ergebnis sei ein Beweis, dass das Volk keinen Systemwechsel in Form eines Arabischen Frühlings in Russland wolle, sagte Sergej Goworuchin.

Student der KGB-Spionageschule

Der am 7. Oktober 1952 in Leningrad (St. Petersburg) als Sohn einer Arbeiterfamilie geborene Putin machte zunächst eine kommunistisch-sowjetische Karriere. Auf das Jura-Studium folgte die KGB-Spionageschule.

Nach seinem Einsatz als Geheimdienstoffizier in Dresden in den letzten Jahren der DDR arbeitete der Vater zweier Töchter in der Petersburger Stadtverwaltung – bis zu einer Wahlschlappe 1996.

Danach machte er Karriere in Moskau unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin. Er stieg auf zum Chef des gefürchteten Inlandsgeheimdienstes FSB, wurde dann Premier und schließlich Präsident.

Durchsetzungsstark und schlagfertig

Wie sehr es der etwa 1,72 Meter große Putin genießt, im Rampenlicht zu stehen, zeigten seine Auftritte als Judoka, Eishockey-Spieler, Beschützer von Tigern, Leoparden und anderen Raubtieren, als Biker in Lederkluft oder als Reiter und Angler mit freiem Oberkörper. In der Kindheit war er nach eigenen Worten ein „Schlägertyp“.

Kritiker bringen Putin vor allem mit den vielen Schwächen des Landes in Verbindung: Korruption, Justizwillkür und Verletzung von Menschenrechten und Druck auf Medien sowie Gewalt gegen Kritiker. An dem als durchsetzungsstark und schlagfertig geltenden Menschen mit oft derben Sprüchen scheiden sich seit langem die Geister.

Der mit ihm befreundete Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder bejahte einst, dass Putin ein „lupenreiner Demokrat“ sei. Anders sieht das Friedensnobelpreisträger und Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow, der Putin zuletzt mehrfach zum Rückzug aufforderte. Putin habe ein schlimmeres Machtmonopol geschaffen als einst die Kommunisten und die demokratischen Institutionen in Russland zerstört.