Nach Koran-Verbrennungen

Zehn Tote nach Selbstmordanschlag in Afghanistan

Die Taliban sprechen von Rache: Sechs Tage nach der Koranverbrennung in Afghanistan hat ein Selbstmordattentäter den Flughafen in Dschalalabad angegriffen – zehn Menschen starben.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Bei einem Anschlag der radikalislamischen Taliban auf Nato-Truppen an einem Flughafen in Afghanistan sind zehn Menschen getötet worden. Unter den Opfern der Autobomben-Explosion auf dem Militärstützpunkt am Flughafen von Dschalalabad waren am Montag nach offiziellen Angaben keine internationalen Soldaten. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag als Vergeltung für eine Koran-Verbrennung durch US-Soldaten.

Die Gewalt in Afghanistan hielt nach dem Bekanntwerden der Koran-Verbrennungen den siebten Tag in Folge an. Bei dem Selbstmordanschlag auf dem Nato-Stützpunkt in Dschalalabad in der Provinz Nangahar wurden sechs Zivilisten sowie drei afghanische Soldaten und Wachleute getötet. Laut Polizei sprengte sich dort ein Selbstmordattentäter mit seinem Auto in die Luft. Die Nato hat auf dem Flughafen einen ihrer wichtigsten Luftwaffenstützpunkte.

Zu dem Anschlag bekannten sich die radikalislamischen Taliban. „Die ausländischen Truppen haben unsere Religion beleidigt und diese Attacke war die Rache“, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid. Zugleich erklärten die Islamisten, ein „afghanischer Koch“ habe in ihrem Auftrag Lebensmittel für die Nato-Truppen auf einem anderen Stützpunkt in der Provinz Nangarhar vergiftet.

Nach Angaben eines Isaf-Sprechers wurden in Früchten und Kaffee auf einer Basis in Nangarhar „Spuren von Bleichmittel“ entdeckt. In der dortigen Küche arbeiten Nato-Angehörige, Afghanen und Mitarbeiter eines Drittstaats. „Es gab keine Opfer, keine Todesfälle“, sagte der Sprecher. Der Vorfall werde untersucht.

Bundesregierung zieht Berater in Afghanistan vorläufig ab

Afghanistan wird seit Tagen von heftigen Protesten und blutiger Gewalt erschüttert. Auslöser waren Berichte über die Verbrennung von Koran-Exemplaren durch US-Soldaten auf dem Stützpunkt Bagram. Seit dem Beginn der Proteste, die sich gegen die USA und die Isaf richten und auch ruhigere Landesteile erfasst haben, wurden inzwischen rund 40 Menschen getötet. Auch eine Entschuldigung von US-Präsident Barack Obama konnte die Gewalt nicht eindämmen.

Nach der Tötung von zwei US-Militärberatern im Kabuler Innenministerium hatten Deutschland und weitere Nato-Verbündete am Wochenende vorerst alle Mitarbeiter aus afghanischen Behörden abgezogen. Von deutscher Seite wurden nach Angaben des Verteidigungs-, Innen- und Außenministeriums etwa 30 Fachexperten sowie zwei Polizisten und drei Bundeswehrberater aus verschiedenen afghanischen Ministerien und Institutionen abgezogen. Es handele sich um eine „Vorsichtsmaßnahme“, sagte Außenamtssprecher Andreas Peschke. Ihr vorläufiger Abzug aus den Behörden sei „ein Rückschlag“.

In der Opposition wuchsen derweil Zweifel am Afghanistan-Einsatz. In den kommenden Wochen werde sich klären, ob die Isaf-Soldaten „jegliches Vertrauen der Bevölkerung verloren haben und deshalb nichts mehr bewirken können“, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Omid Nouripour, der „Süddeutschen Zeitung“ vom Montag. „Lebenswichtig“ sei nun, dass die USA sich noch deutlicher für die Koran-Verbrennung entschuldigten.

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, forderte Aufklärung. Den Fahrplan zur Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanische Seite hielt er aber „für weiter durchführbar“.