Afghanistan

Obama entschuldigt sich für Koran-Verbrennung

Die Ausschreitungen wegen der unbedachten Koranverbrennung durch US-Soldaten in Afghanistan haben sich ausgeweitet und mindestens sechs Demonstranten das Leben gekostet. US-Präsident Barack Obama hat sich unterdessen bei seinem afghanischen Kollegen Hamid Karsai entschuldigt.

Foto: dpa / dpa/DPA

Nach der Verbrennung von Koran-Ausgaben auf dem US-Stützpunkt Bagram hat sich US-Präsident Barack Obama bei seinem afghanischen Kollegen Hamid Karsai entschuldigt. In einem Brief äußerte Obama am Donnerstag sein „tiefes Bedauern“ über den Vorfall. Bei neuen Protesten gegen die Koran-Verbrennung wurden fünf Demonstranten getötet, am Rande einer Demonstration tötete ein afghanischer Soldat zudem zwei Nato-Soldaten.

In dem Schreiben, das Karsai von US-Botschafter Ryan Crocker überreicht wurde, versicherte Obama, die Koran-Ausgaben seien „versehentlich“ verbrannt worden, wie das Präsidentenamt in Kabul mitteilte. Die USA würden nun die „erforderlichen Schritte“ unternehmen, um einen Wiederholungsfall zu verhindern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Karsai machte einen US-Offizier für die Koran-Verbrennung verantwortlich. Die Aktion sei jedoch „aus Unkenntnis heraus“ geschehen, und die USA hätten den Fehler eingeräumt, sagte der afghanische Präsident nach Angaben seines Büros bei einem Treffen mit Parlamentariern.

In Afghanistan wird seit drei Tagen gegen die Verbrennung der Koran-Ausgaben auf dem US-Stützpunkt Bagram demonstriert. Am Donnerstag wurden bei einer Demonstration in der Provinz Urusgan im Südosten des Landes zwei Menschen erschossen, wie ein Sprecher der Provinzregierung sagte. In der Provinz Baghlan im Westen des Landes wurde nach Angaben von Gouverneur Hadschi Mohammed Hassan ein Mensch getötet, als Demonstranten einen US-Stützpunkt angriffen.

Im Osten Afghanistans tötete ein afghanischer Soldat zwei Nato-Soldaten. Der Mann in Uniform habe das Feuer auf die Soldaten eröffnet und zwei von ihnen getötet, teilte die Nato-geführte Afghanistan-Truppe ISAF mit. Zur Nationalität der Getöteten machte die ISAF keine Angaben. Ein Sprecher wollte sich auch nicht dazu äußern, ob der Vorfall mit den Protesten in Verbindung stand. „Es gab eine Demonstration in der Provinz“, sagte er nur.

Taliban hatten zur Tötung ausländischer Soldaten in Afghanistan aufgerufen

Nach afghanischen Angaben handelte es sich bei den Getöteten um US-Soldaten. Der Chef der Behörden im Bezirks Chogjani in der Provinz Nangarhar, Mohammed Hassad, sagte, der afghanische Soldat habe auf die US-Soldaten geschossen, als sich eine Gruppe von Demonstranten ihrem Stützpunkt näherte. Dann sei er „in der Menge verschwunden“. Als die Soldaten zurückschossen, wurden demnach zwei Demonstranten getötet.

Bei zwei Kundgebungen in der nördlichen Provinz Baghlan und der südlichen Provinz Urusgan schossen afghanische Polizisten auf Demonstranten; in Baghlan wurde einer und in Urusgan wurden zwei Kundgebungsteilnehmer tödlich getroffen, teilten die Behörden mit.

Bei der Demonstration vor dem Hauptsitz der Polizei in Baghlan habe es einen Schusswechsel zwischen einigen Demonstranten und der Polizei gegeben, hieß es weiter. Vier Personen, darunter zwei Polizisten, seien dabei verwundet worden.

Die radikalislamischen Taliban hatten nach der Koran-Verbrennung zur Tötung von ausländischen Soldaten in Afghanistan aufgerufen. In einer Erklärung forderten die Islamisten, die „militärischen Stützpunkte der Invasoren, ihre Militärkonvois mutig anzugreifen“ und „sie zu töten, gefangen zu nehmen, zu schlagen und ihnen eine Lektion zu erteilen, dass sie es niemals wieder wagen, den heiligen Koran zu beleidigen“.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte am Donnerstag, er bedauere die Todesopfer zutiefst. Er rief alle Beteiligten zu „Mäßigung, Zurückhaltung und Gewaltlosigkeit auf“. Die Bundesregierung sei „bestürzt, dass durch die Verbrennung religiöser Texte die Gefühle vieler Menschen in Afghanistan verletzt wurden“. Deutschland und alle seine Vertreter in Afghanistan empfänden „tiefen Respekt für den Islam, seine Anhänger und seine Schriften“, betonte Westerwelle.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle drückt sein Bedauern aus

Bereits am Mittwoch waren nach unterschiedlichen Behördenangaben zwischen sieben und neun Demonstranten bei Ausschreitungen in Kabul und in ostafghanischen Provinzen gestorben. Am Donnerstag kam es auch in Kabul wieder zu Protesten von rund 1000 Demonstranten, wie Polizeichef Ajub Salangi sagte. Meldungen über Tote gab es nicht. Afghanen protestieren seit Dienstag gegen die Koranverbrennung.

Das Entschuldigungsschreiben Obamas sei am Donnerstag von US-Botschafter Ryan Crocker an Präsident Hamid Karsai übergeben worden, teilte der Präsidentenpalast in Kabul mit. Darin habe Obama auch betont, dass die Verbrennung von Exemplaren des Korans auf der US-Basis Bagram nicht vorsätzlich geschehen sei. Der US-Präsident habe eine vollständige Aufklärung des Falls zugesagt.

Die islamischen Staaten verurteilten die Koranverbrennung. Die Organisation der Islamischen Zusammenarbeit (OIC) betonte in einer Erklärung, die Tat stehe im Widerspruch zu den gemeinsamen Bemühungen von muslimischen Ländern und internationaler Gemeinschaft, Intoleranz und religiösen Hass zu bekämpfen. Zugleich begrüßte die Organisation, der 57 Staaten angehören, die Entschuldigungen der Isaf und der USA.

Die Isaf teilte mit, ein Team aus Isaf-Angehörigen und Vertretern der afghanischen Regierung habe inzwischen das Gefängnis auf dem Stützpunkt Bagram untersucht, um die Umstände der Koranverbrennung zu untersuchen. Die Koran-Exemplare, die entsorgt werden sollten, waren dort Häftlingen zur Verfügung gestellt worden.

Wegen der Koran-Verbrennung riefen die Taliban am Donnerstag erneut zu Angriffen auf Isaf-Soldaten auf. „Tapfere afghanische Muslime“ sollten Stützpunkte und Konvois der internationalen Militärs angreifen, hieß es in einer Mitteilung der Aufständischen. Afghanen sollten Ausländer schlagen, fangen und töten, damit diese lernten, den Koran nie wieder zu schänden.

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