Heftige Kämpfe

Gaddafi-Getreue nehmen Stadt südlich von Tripolis ein

| Lesedauer: 2 Minuten

Bani Walid, 140 Kilometer südöstlich von Tripolis, galt als eine der letzten Bastionen der Anhänger Gaddafis. Jetzt haben diese die Kontrolle übernommen.

Nach heftigen Kämpfen haben Anhänger des getöteten libyschen Machthabers Muammar Gaddafi die Stadt Bani Walid unter ihre Kontrolle gebracht.

Anwohner und Vertreter der Regierungstruppen berichteten von schweren Zusammenstößen, bei denen mindestens vier Menschen getötet und weitere 20 verletzt worden seien. Es seien auch schwere Panzerabwehrwaffen zum Einsatz gekommen.

Auslöser war offenbar die Festnahme mehrerer Gaddafi-Anhänger durch Mitglieder des Nationalen Übergangsrates.

„Sie kontrollieren jetzt die Stadt. Sie fahren in der Stadt umher“, sagte ein Kämpfer der Regierungstruppen. Ein Vertreter der Luftwaffe in Tripolis erklärte, es würden Kampfflugzeuge in Richtung Bani Walid entsandt.

In der Hauptstadt selbst verstärkten die Sicherheitskräfte ihre Präsenz in den Straßen. Die Stadt Bani Walid war im vergangenen Jahr einer der letzten Orte, in denen Gaddafi-Anhänger gegen die Oppositionellen kämpften. Bani Walid liegt etwa 200 Kilometer südöstlich von der Hauptstadt Tripolis entfernt.

Gerichtsort für Gaddafi-Sohn steht nicht fest

Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) hat noch keine Entscheidung über den anstehenden Prozess gegen den Sohn des früheren libyschen Machthabers Muammar Gaddafi getroffen. Es sei noch nicht beschlossen worden, ob das Verfahren in Libyen stattfinden könne, teilte das Haager Gericht mit.

Damit trat es Aussagen des libyschen Justizministers Ali Chalifa Schur entgegen. Dieser hatte erklärt, der ICC habe dem Antrag Libyens auf einen Prozess in der Heimat des Angeklagten zugestimmt. Dem bekanntesten Sohn Gaddafis werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Saif al-Islam wurde im November - etwa einen Monat nach dem gewaltsamen Tod des Vaters – in der Wüste festgenommen.

Saif al-Islam selbst galt noch vor einem Jahr als designierter Nachfolger Muammar Gaddafis an der Spitze des nordafrikanischen Landes. Das Verfahren gegen ihn gilt als Test für Libyen. In dem Land droht dem Mann die Todesstrafe. Der ICC hatte bis zum 23. Januar weitere Informationen über den Zustand des Gaddafi-Sohns angefordert.

Zugleich hatte der Gerichtshof Libyen aufgerufen, Sorgen auszuräumen, wonach sich der Gefangene in Isolationshaft befindet und ihm der Kontakt mit Anwälten verwehrt wird. ICC-Sprecher Fadi El-Abdallah bestätigte am Montag, der Gerichtshof habe Informationen von Libyen erhalten. Details wollte er unter Berufung auf die Vertraulichkeit der Informationen nicht preisgeben.

Der ICC hatte einen Haftbefehl gegen Saif al-Islam ausgestellt. Die Anklage wirft ihm vor, an der Tötung von Demonstranten während der Revolte gegen die Herrschaft seines Vaters beteiligt gewesen zu sein. Muammar Gaddafi war im August gestürzt und später getötet worden.

( Reuters/heg )

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos