Keine Reisewarnung für Äthiopien

Tödlicher Überfall – Auswärtiges Amt in der Kritik

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Florian Kain

Foto: picture alliance / dpa / picture alliance / dpa/APA FILE

Nach dem tödlichen Überfall auf eine europäische Reisegruppe im Nordosten Äthiopiens ist das Schicksal zweier Deutscher weiter ungewiss. Unterdessen wächst die Kritik am Auswärtigen Amt, denn Deutschland verzichtet – im Gegensatz zu seinen europäischen Nachbarländern – auf eine offizielle Reisewarnung.

Nach dem tödlichen Überfall auf eine europäische Reisegruppe im Nordosten Äthiopiens sind am Donnerstag zwölf Überlebende in die Hauptstadt Addis Abeba gebracht worden. Darunter waren auch sechs deutsche Touristen, wie das Auswärtige Amt bestätigte. Bei der Attacke in der Danakil-Wüste waren in der Nacht zum Dienstag fünf Urlauber – darunter zwei Deutsche – von einer schwer bewaffneten, ungefähr 40 Mann starken Gruppe erschossen worden.

Zwei weitere Deutsche werden nach Auskunft des Auswärtigen Amts noch vermisst und unter Hochdruck gesucht. Der Krisenstab und die Mitarbeiter der deutschen Botschaft vor Ort würden dabei von drei Mitarbeitern des Bundeskriminalamts unterstützt, die man kurzerhand nach Addis Abeba entsandt habe, um die Deutschen zu finden. Vermutlich sind die Entführten ins angrenzende Eritrea verschleppt worden. Die äthiopische Regierung versicherte, sie werde alles tun, um die baldige Freilassung der Geiseln zu erreichen. Die drei bei dem Angriff verletzten Personen stammen offenbar aus Ungarn, Belgien und Großbritannien. Der Belgier liegt nach inoffiziellen Angaben aus Äthiopien schwer verletzt in einem Krankenhaus in der Stadt Mekele.

Cottbusser wollte sich Traum erfüllen

Inzwischen wurde auch bekannt, um wen es sich bei den getöteten Deutschen handelt. Ein Opfer ist ein 58 Jahre alter Theatertechniker aus Cottbus. Sein Vater sagte, er habe am Mittwoch vom gewaltsamen Tod seines Sohnes erfahren. Die Familie sei vom Auswärtigen Amt über den tragischen Vorfall informiert worden. „Mein Sohn wollte sich mit der zweiwöchigen Reise in die äthiopische Vulkanwüste einen Lebenstraum erfüllen“, sagte der 82-Jährige. Der zweite getötete Deutsche stammt offenbar aus Schleswig-Holstein. Es gebe entsprechende Hinweise, teilte das Kieler Innenministerium mit.

Insgesamt sollen 27 Touristen zu der Reisegruppe gehört haben. Die genauen Hintergründe der Tat blieben weiter unklar, allerdings wuchs die Verwunderung darüber, dass sich die Touristen überhaupt in die gefährliche Danakil-Wüste begeben hatten. Der zuständige Länderreferent der Hilfsorganisation Welthungerhilfe, Hans Bailer, sagte: „Die Sicherheitslage ist dort schon immer kritisch gewesen.“ Auch Andreas Eckert, Afrikawissenschaftler an der Humboldt-Universität, bezeichnete Reisen in diese Region als „großes Risiko“. In der Region herrsche ein „explosives Gemisch“. Der Dresdener Reiseveranstalter Diamir, bei dem die Touristen ihre Tour gebucht hatten, beharrte in einer im Internet verbreiteten Erklärung hingegen darauf, dass man „bis zum gegenwärtigen Zwischenfall“ keine Hinweise darauf gehabt habe, dass die Sicherheit der Gäste in der Region infrage stehen könnte. Schließlich habe zum Zeitpunkt des Zwischenfalls „weder für Äthiopien noch für Teile des Landes eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland“ bestanden.

Tatsächlich verzichtet Deutschland im Gegensatz zu europäischen Nachbarländern auch weiterhin darauf, eine offizielle Reisewarnung oder Teilreisewarnung für Äthiopien herauszugeben. Stattdessen begnügt sich das Auswärtige Amt mit einem allerdings sehr deutlich formulierten sogenannten „Sicherheitshinweis“, wonach im Grenzgebiet zu Eritrea und in der Danakil-Senke trotz einer Zeit relativer Ruhe Überfälle durch Banditen und örtliche Untergrundorganisationen „nicht ausgeschlossen“ werden könnten und auch mit „neu verlegten Landminen“ zu rechnen sei. Dieser „Sicherheitshinweis“ wurde am Donnerstag insofern verschärft, als das Auswärtige Amt nunmehr einen Satz anfügte, in dem „bis auf Weiteres“ von Reisen in die Danakil-Wüste und die nördliche Afar-Region unter Verweis auf die Attacke „dringend abgeraten“ wurde.

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