Bei einem Überfall auf eine Reisegruppe im Nordosten Äthiopiens sind nach Angaben der äthiopischen Regierung am Dienstag mehrere Touristen getötet worden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat bestätigt, dass bei dem Überfall zwei Deutsche getötet worden sind. „Ich muss Ihnen leider auch mitteilen, dass das Schicksal von weiteren Deutschen, die zu der Reisegruppe gehörten, noch ungeklärt ist“, erklärte Westerwelle in Berlin.

Daneben kamen zwei Ungarn und ein Österreicher bei dem Angriff ums Leben, wie die ungarische Regierung am Mittwoch unter Berufung auf Interpol erklärte.

Der Sprecher der äthiopischen Regierung vermutet hinter dem Anschlag Rebellen, die von Eritrea ausgebildet und mit Waffen versorgt worden seien. Sie hätten auch vier Menschen entführt, darunter zwei Deutsche. Der eritreische Botschafter bei der Afrikanischen Union, Girma Asmerom, bezeichnete die Vorwürfe aus Äthiopien als erfunden und als „absolute Lüge“. Der Überfall sei eine interne äthiopische Angelegenheit.

Das österreichische Außenministerium bestätigte den Überfall. „Unsere Botschaft in Addis Abeba wurde heute von den deutschen Kollegen beziehungsweise von den deutschen Reiseveranstaltern darüber informiert, dass eine europäische Reisegruppe im Nordosten Äthiopiens, in der Danakil-Senke im Grenzgebiet zu Eritrea, in der Nacht auf heute überfallen worden ist“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal, der Nachrichtenagentur APA.


Gemeinsam mit den Zuständigen im deutschen Auswärtigen Amt und den Äthiopischen Behörden sei man dabei, die Umstände des Überfalls zu verifizieren.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Dienstagabend: „Hinweisen auf den Überfall auf eine Reisegruppe mit deutschen Staatsangehörigen in Äthiopien wird nachgegangen. Das Auswärtige Amt und die Botschaft sind mit Hochdruck um Aufklärung des Sachverhalts und des Schicksals der deutschen Staatsangehörigen bemüht.“ Außerdem wurde ein Krisenstab eingerichtet.

Der Überfall ereignete sich an der eritreischen Grenze, berichtete das Fernsehen in Addis Abeba. Das äthiopische Militär habe die Verwundeten in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht.

Keine konkreten Informationen über die Angreifer

Die Mehrzahl der Touristen soll über einen deutschen Reiseveranstalter gebucht haben. Über die Angreifer lagen dem Ministerium in Wien vorerst keine genauen Informationen vor. Jedenfalls komme es in diesem Gebiet immer wieder zu Übergriffen auf Touristen, „daher besteht auch seit sieben Jahren eine aufrechte Reisewarnung“, sagte Launksy und verwies auf die Homepage des Außenministeriums. Dort wird vor einem erhöhten Risiko von Terroranschlägen in Äthiopien gewarnt.

Nach Zeitungsberichten geschah der Überfall auf die Reisegruppe in der Nähe des Vulkans Erta Ale in der Danakil-Wüste. Die Region ist eine der heißesten und ärmsten der Erde und wird von dem Nomadenvolk der Afar bewohnt. In dem Gebiet waren 2007 fünf europäische Geiseln – vier Briten und eine Französin – entführt worden und nach knapp zwei Wochen unbeschadet gegen Lösegeld wieder freigelassen worden.

Reuters/dpa/sara