Überfall auf Reisegruppe

Vater bestätigt Tod eines Cottbusers in Äthiopien

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Foto: picture alliance / dpa / pa/dpa

Zwei Deutsche sind bei einem Überfall in Äthiopien getötet worden. Unter den Todesopfern ist auch ein Mann aus Cottbus. Das bestätigte der Vater des 58-Jährigen. Zwei weitere Urlauber werden nach Angaben des Auswärtigen Amtes vermisst.

Nach dem tödlichen Überfall auf eine europäische Reisegruppe in Äthiopien werden nach Angaben des Auswärtigen Amtes (AA) noch zwei Deutsche vermisst. Das sagte eine Sprecherin des Außenministeriums am Donnerstag. Bei der Attacke in der Danakil-Wüste waren in der Nacht zum Dienstag fünf Urlauber erschossen worden, zwei Deutsche, zwei Ungarn und ein Österreicher. Der Krisenstab in Berlin und die deutsche Botschaft arbeiteten mit Hochdruck an der Aufklärung des Falls, sagte die AA-Sprecherin.

Einer der beiden Toten stamme vermutlich aus Schleswig-Holstein, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Kiel. Es gebe entsprechende Hinweise, sagte der Sprecher der Innenministeriums, Thomas Giebeler, am Donnerstag „Die Identifizierung muss aber erst durch das Bundeskriminalamt abgeschlossen werden, um die notwendige Sicherheit zu haben.“ Einzelheiten wie Alter, Geschlecht oder Herkunftsort nannte er nicht.

Das zweite Opfer kommt aus Cottbus. Der 58-Jährige hatte als Techniker an einem Theater gearbeitet. Wie dessen Vater am Donnerstag sagte, habe er vom gewaltsamen Tod seines Sohnes am Mittwoch von dessen Familie erfahren. Diese wiederum habe eine Information vom Auswärtigen Amt über den tragischen Vorfall erhalten. „Mein Sohn wollte sich mit der zweiwöchigen Reise in die äthiopische Vulkanwüste einen Lebenstraum erfüllen“, sagte der 82-Jährige. Die „Lausitzer Rundschau“ hatte über die Identität des 58-Jährigen berichtet. Der Mann war bei der privaten Bühne „Theaternative C“ in der Lausitzstadt als Techniker beschäftigt. Er sei von seiner Frau geschieden und habe in Cottbus eine Tochter, die ihm die Todesnachricht überbrachte, berichtete sein Vater. „Mein Sohn war zuvor schon zweimal in Äthiopien, weil ihn die vielen Völkerstämme dort interessierten“, sagte der 82-Jährige.

Zu der Gruppe hätten insgesamt 27 Touristen gehört, hieß es in einer Mitteilung, die auf der Webseite des äthiopischen Außenministeriums veröffentlicht wurde. Die genauen Hintergründe der Tat blieben weiter unklar.

Nach Angaben der Regierung in Addis Abeba wurden bei dem Überfall zwei Deutsche und zwei äthiopische Begleiter gekidnappt. Ob es sich dabei um die zwei vermissten Deutschen handelt, war zunächst unklar. Die Sprecherin des Außenministeriums wollte sich dazu nicht äußern.

Das Auswärtige Amt (AA) verschärft seinen Sicherheitshinweis für Äthiopien vorerst nicht. „Die bestehenden Sicherheitshinweise weisen eindeutig auf die Risikolage hin“, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Für das Grenzgebiet zu Eritrea gilt seit dem 22. November 2011 unverändert folgender Hinweis: „Trotz einer Zeit relativer Ruhe können Überfälle durch Banditen und örtliche Untergrundorganisationen sowie Entführungen nicht ausgeschlossen werden.“ In der Region müssten Reisende außerdem mit verlegten Landminen rechnen. Das AA rät, unbedingt erforderliche Fahrten durch das Gebiet den örtlichen Behörden mitzuteilen und um Schutzmaßnahmen zu bitten. Es wird davon abgeraten, die Straße Eli Dar Richtung Assab zu benutzen.

Nach Angaben der äthiopischen Regierung wurde die Gruppe im Grenzgebiet zu Eritrea im Morgengrauen von den Angreifern überrascht – in einem unwirtlichen Gebiet mit Temperaturen von mehr als 50 Grad im Sommer. Am Mittwoch erreichten elf erschöpfte Mitglieder der Gruppe in Trekkingkleidung mit dem Flugzeug die Hauptstadt Addis Abeba. Mehrere schirmten ihre Gesichter vor den Objektiven der Kameras ab. Ein Mitglied der Gruppe hatte Prellungen an Knien und Armen erlitten und musste in einem Rollstuhl durch den Flughafen geschoben werden. Nach Berichten der Staatsmedien gehörten zu der 27-köpfigen Gruppe auch US-Bürger und Australier.

Der Dresdner Reiseveranstalter Diamir hat Teile der in Äthiopien überfallenen Reisegruppe betreut. Er erklärte, die betreffende Reise nach Äthiopien sei seit 2006 im Programm und werde mehrmals pro Jahr veranstaltet. „Bis zum gegenwärtigen Zwischenfall hatte Diamir keinerlei Hinweise darauf, dass die Sicherheit der Gäste in der Region infrage stehen könnte“, erklärte das Unternehmen im Internet. „Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls bestand weder für Äthiopien noch für Teile des Landes eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland.“

Die Regierung in Addis Abeba wirft die Tat von der eritreischen Regierung ausgebildeten Banditen vor. Sie sprach von einem „offenen Terrorakt“: „Wir werden gezwungen sein, jeden notwendigen Schritt zu ergreifen, um die Aktivitäten des eritreischen Regimes ein für alle Mal zu stoppen, falls die Internationale Gemeinschaft nicht zu ihrer Verantwortung steht und tätig wird, um dieses widerliche Verhalten zu beenden.“

Die eritreische Regierung wies die Vorwürfe zurück und sprach in einer Mitteilung von „lächerlichen Beschuldigungen“. Der eritreische Botschafter in Südafrika, Saleh Omar, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag: „Die Angaben aus Äthiopien sind falsch. Die versuchen immer etwas gegen Eritrea zu sagen und ein negatives Bild des Landes zu zeichnen.“ Er sei tief betroffen über den Tod der Touristen.

( AFP/dpa/sei )

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