Arabische Liga

Beobachter verlässt Syrien aus Protest gegen Assad

Ein Mitglied des Beobachter-Teams der Arabischen Liga in Syrien hat aus Protest das Land verlassen: Die Mission vor Ort bezeichnete er als "Farce" und "Inszenierung".

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Ein früheres Mitglied der Beobachter der Arabischen Liga in Syrien hat harsche Kritik an der Mission in dem Land geübt. „Sie ist eine Farce, die Beobachter sind zum Narren gehalten worden“, sagte Anwer Malak dem Fernsehsender al-Dschasira in einem am Dienstagabend ausgestrahlten Interview. „Das Regime inszenierte das meiste, was wir gesehen haben, um die Arabische Liga davon abzuhalten, Schritte einzuleiten.“

Al-Dschasira zufolge stieg Malek als Beobachter aus Abscheu über die Vorgänge aus der Mission aus. Der Tunesier ist für das in Paris ansässige Arabische Komitee für Menschenrechte tätig.

Er sei Zeuge fürchterlicher Szenen geworden und habe diese nicht verhindern können. Durch seine Tätigkeit habe er es dem Regime erleichtert, mit dem Töten weiterzumachen. „Ich war mehr als 15 Tage in Homs ... ich habe Horrorszenen gesehen, verbrannte Körper ... ich kann mein Mitgefühl in dieser Lage nicht zurückstellen“, sagte Malek.

Die Arabische Liga äußerte sich zunächst nicht zu dem Interview. Ein Vertreter erklärte, bislang hätten drei Beobachter ihre Tätigkeit in Syrien unter Angabe gesundheitlicher Probleme niedergelegt.

Heftige Gefechte in der Unruheprovinz Homs

Die 165 Beobachter der Arabischen Liga sollen die Umsetzung eines Plans zur Beendigung der Gewalt überwachen, dem das Regime von Präsident Baschar al-Assad am 19. Dezember zugestimmt hatte. Die syrische Opposition hat der Mission im Vorfeld vorgeworfen, das anhaltende brutale Vorgehen des Regimes zu decken.

Die Gewalt in Syrien hält unterdessen trotz der Anwesenheit der internationalen Beobachter nach Angaben von Aktivisten unvermindert an. Soldaten und mutmaßliche Deserteuren lieferten sich am Mittwoch in der Unruheprovinz Homs heftige Gefechte, wie das in Großbritannien ansässige Observatorium für Menschenrechte mitteilte. Berichte über Todesopfer lagen zunächst nicht vor.

Assad – Wir siegen über Verschwörer

Präsident Assad ist derweil kurz und unangekündigt auf einer Kundgebung von Anhängern seines Regimes aufgetaucht. Den Tausenden von Demonstranten rief er auf dem Ummayaden-Platz in Damaskus zu, der Sieg der Syrer über die ausländischen „Verschwörer“ stehe bald bevor.

Das berichteten arabische Fernsehsender, die Live-Bilder von dem Platz zeigten, auf dem die Menschen syrische Fahnen und Bilder von Assad schwenkten. Einige von ihnen schwenkten auch Fahnen der pro-iranischen libanesischen Hisbollah-Miliz.

Es war für den Präsidenten der erste Auftritt dieser Art seit Beginn des Aufstandes von Regimegegnern im vergangenen März. Assad hatte am Vortag in einer Ansprache erklärt, er denke nicht an Rücktritt. Das Volk stehe hinter ihm.

Zahl der Toten höher als vor Beobachter-Ankunft

Seit der Ankunft der internationalen Beobachter in Syrien vor zehn Tagen wurden in dem Land einer UN-Schätzung zufolge 400 weitere Menschen getötet worden.

Einen entsprechenden Bericht legte der UN-Untergeneralsekretär für politische Angelegenheiten, B. Lynn Pascoe, am Dienstag dem Weltsicherheitsrat vor, wie aus Diplomatenkreisen in New York verlautete.

Die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice sagte, die Zahl der Toten sei mit etwa 40 pro Tag noch höher als vor der Ankunft der Beobachter der Arabischen Liga. Dies sei ein klarer Hinweis darauf, dass die syrische Regierung die Gewalt weiter verschärfe, statt sie wie versprochen zu beenden.