Euro-Krise

Merkels Partner Sarkozy ist eine "lahme Ente"

Kanzlerin Merkel will Montag mit Sarkozy die Euro-Rettung voranbringen. Der französische Präsident muss in seiner Heimat die Abwahl fürchten.

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Wenn Angela Merkel am Montag Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy mal wieder zu Euro-Gesprächen in Berlin empfängt, dann trifft die Kanzlerin auf einen angeschlagenen Staatschef. Denn Sarkozy wird wahrscheinlich bei der Wahl Ende April/Anfang Mai abgewählt.

Merkel verhandelt nun mit einer „lahmen Ente“, wie es in den USA heißen würde. Das heißt, sie erlebt jetzt die letzten Monate mit einem „Hyper-Präsidenten“, der sich um alles in seinem Land kümmerte und durch überraschende Wenden immer mal wieder seine Partner brüskierte, darunter auch Merkel.

Politisches Wunder für Sarkozy?

Die Umfragen sehen seit Monaten Sarkozys Herausforderer François Hollande von den Sozialisten vorn. Und zwar so klar, dass es jetzt schon ein politisches Wunder brauchte, damit Sarkozy noch aus den Aschen seiner Unpopularität auferstehen könnte.

Für den ersten Wahlgang, in dem ein gutes Dutzend Kandidaten antreten, geben die Umfragen Hollande 27 bis 35 Prozent und immer Platz 1. Sarkozy liegt immer nur auf Platz 2, mit 24 bis 28 Prozent. Immerhin kann er etwas mehr Stimmen auf sich vereinigen als die Rechtsextreme Marine Le Pen, was ihn wenigstens für die Stichwahl qualifiziert.

Im zweiten Wahlgang ist Hollande sogar mit 56 bis 60 Prozent vorn. Sarkozy liegt mit 40 bis 44 Prozent immer hinten, wie aus zwölf Umfragen verschiedener Institute im November und Dezember hervorgeht.

Gipfel, Krieg und Kind

Dabei hat Sarkozy 2011 alles versucht: Zusammen mit Merkel präsentierte er sich als der Retter des Euro und der Weltwirtschaft. Ständig war er in Brüssel auf den Gipfeln. Und immerhin war Sarkozy 2011 Chef der G-8 und der G-20. So durfte er alle Granden dieser Welt auf zwei Gipfeln in Frankreich empfangen, in Deauville und in Cannes.

Mit US-Präsident Barack Obama und den Truppen feierte er in Cannes gar öffentlich Waffenbrüderschaft. Allein, der ganze pompöse Aufwand verpuffte beim Wahlvolk. Seine Umfragewerte zuckten kaum.

Das Gleiche galt für den Libyen-Krieg. Sarkozys Regierung hatte zuerst noch überlegt, wie sie Tunesiens Machthaber Ben Ali helfen könnte, da war der schon gestürzt. Sarkozy wendete daraufhin scharf und sprang auf den Zug der Arabellion auf. Er setzte seine Luftwaffe ein, um Muammar Gaddafis Truppen zu bombardieren und stürzte schließlich den Mann. Mit dem britischen Premier David Cameron zusammen ließ er sich in Libyen als Befreier feiern. Doch Frankreichs Wählern war's wurscht.

Auch die Geburt seiner Tochter im Herbst hat Sarkozys Popularität nicht aufgeholfen, gegen die Annahmen von Politik-Forschern. Vielleicht, weil er in diesem Falle zum ersten Mal sein Privatleben nicht groß ausgeschlachtet hatte.

Seit der Blitzhochzeit unten durch

Denn der Absturz Sarkozys bei den Wählern hing zusammen mit seinem Privatleben. Als sich seine damalige Frau Cécilia im Herbst 2007 von ihm trennte und er darauf medienwirksam eine Blitzhochzeit mit dem singenden Model Carla Bruni-Tedeschi aus Italien durchzog, da hatte er bei seinen katholischen Kernwählern auf dem Land verspielt.

In Frankreich halten sich Ehemänner Mätressen, und alle wissen davon. Aber sie lassen sich nicht scheiden. Und wenn sie es doch tun, heiraten sie nicht so schnell wieder. Seitdem hat Sarkozy nie wieder mehrheitlich Zustimmung bei den Wählern erhalten, egal, was er politisch tat oder unterließ.

Da konnten sich die Sozialisten sogar das Sex-Drama um den damaligen Währungsfonds-Chef Dominique Strauss-Kahn leisten, der in Umfragen zeitweise mit 69 zu 31 Prozent gegen Sarkozy führte. Die Partei entschied sich danach in einer Urwahl der Mitglieder für den scheinbar weichen Hollande.

Wechsel zum ruhigen Vertreter

Der 57-Jährige war von 1997 bis 2008 Chef der Sozialistischen Partei. Er hielt den Hühnerhaufen zusammen, was eine große Leistung darstellte. In Frankreich will er nun alles irgendwie gerechter gestalten und 60.000 Lehrer einstellen, also seine Kernwählerschicht ausweiten. Darauf beschränkten sich bislang seine politischen Aussagen.

Doch die Franzosen scheinen sich nach fünf Jahren mit dem hippeligen Sarkozy einfach nach dem Wechsel zu einem ruhigen Vertreter zu sehnen. Merkel vielleicht auch. Ihre Leute tun gut daran, Sarkozy nicht vor den Kopf zu stoßen, aber sie gleichzeitig umfangreich auf Hollande vorzubereiten.

Denn der hat derzeit die besten Chancen, im Mai 2012 nach François Mitterrand zum zweiten sozialdemokratischen Präsidenten Frankreichs zu werden. Und mit ihm muss Merkel dann das wichtigste Projekt des Jahres wuppen: die Rettung des Euro.