Säbelrasseln am Golf

Iran protzt mit selbstgebauten atomaren Brennstäben

Einerseits signalisiert der Iran im Atomstreit Gesprächsbereitschaft, andererseits feuert er eine Rakete ab, protzt mit Brennstäben und droht den Feinden.

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Nach staatlichen Medienberichten hat der Iran erfolgreich atomare Brennstäbe selbst gefertigt und getestet.

Das Material sei für den Einsatz in Atomkraftwerken bestimmt, berichtete das staatliche Fernsehen am Sonntag. Die Brennstäbe, die natürliches Uran enthielten, seien im Iran hergestellt worden und ins Zentrum des teheranischen Forschungsatomreaktors eingeführt worden, hieß es in dem Bericht weiter. „Diese tolle Errungenschaft wird den Westen überraschend, weil die westlichen Länder darauf gesetzt haben, dass der Iran keine atomaren Brennplatten herstellen kann“, hieß es zudem in einem Bericht der „Teheran Times“.

In den Nuklear-Brennstäben ist Brennstoffgranulat enthalten, das in der Regel niedrig angereichertes Uran enthält und Wärme abgeben soll, ohne dabei zu schmelzen. Im Iran berichteten zahlreiche Medien über die Entwicklung. Im englischsprachigen Sender Press TV hieß es, die Brennstäbe würden derzeit auch im Forschungsreaktor auf einen längerfristigen Einsatz hin geprüft.

Der Westen befürchtet, dass der Iran unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung von Nuklearenergie eine Atombombe entwickelt. Die USA verschärften ihre Sanktionen gegen den Staat in Vorderasien und rüsteten ihre Verbündeten am Golf weiter auf. Die Regierung in Teheran drohte zuletzt, die immens wichtige Ölhandelsroute, die Straße von Hormus, zu blockieren, sollten weitere Schritte gegen das Land verhängt werden.

Die Europäische Union kündigte ihre Entscheidung über eine Ausweitung der Sanktionen für spätestens den 30. Januar an. Spätestens beim Treffen der EU-Außenminister werde ein Beschluss fallen, teilte EU-Sprecher Michael Mann mit. Grundlage für die möglichen Sanktionen sind vermehrte Hinweise darauf, dass der Iran nach Atomwaffen strebt. Die Islamische Republik weist dies zurück.

"Wir müssen das Volk gegen die Verschwörungen der Feinde verteidigen"

Die USA reagierten auf die Blockade-Drohungen des Irans und die Raketentests beim Seemanöver im Golf umgehend. US-Präsident Barack Obama unterzeichnete in seinem Urlaub auf Hawaii ein neues Gesetz, das auf die Öleinnahmen des Iran abzielt. Die Sanktionen betreffen Finanztransaktionen mit der iranischen Zentralbank. Strikt angewandt machen sie es für die meisten Raffinerie-Unternehmen fast unmöglich, Öl von dem weltweit viertgrößten Ölproduzenten zu kaufen. Die US-Regierung will die neuen Regeln aber flexibel anwenden, um eine Beeinträchtigung der globalen Energiemärkte zu vermeiden.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad kündigte daraufhin eine entschlossene Reaktion seines Landes an. Der Iran werde „dem Druck seiner Feinde“ entgegentreten, hieß es am Sonntag in einer Mitteilung des Staatschefs an die Notenbank, die auf der Internetseite der Präsidentschaft veröffentlicht wurde. „Wir müssen das Volk und die Nation gegen Verschwörungen der Feinde verteidigen“, erklärte Ahmadinedschad darin weiter. Derzeit habe die iranische Wirtschaft im Übrigen „keine Probleme“.

Um eine Gegengewicht gegen den Iran zu schaffen, rüsten die USA ihre Verbündeten in der Golf-Region weiter auf . Nach Kampfjet-Lieferungen an Saudi-Arabien werden die Vereinigten Arabischen Emirate mit einem modernen Raketenabwehrsystem für 3,5 Milliarden Dollar ausgestattet. Es ist der erste Auslandsverkauf des von Lockheed Martin gebauten Waffensystems, das als einziges ballistische Kurz- und Mittelstreckenraketen innerhalb und außerhalb der Erdatmosphäre zerstören kann.

Auch im aktuellen Streit sendet der Iran zweideutige Signale. Während eine neue Mittelstrecken-Rakete im Golf abgefeuert wurde, verschob die Regierung in Teheran den Test von Langstrecken-Raketen. Langstreckenraketen könnten Israel und die US-Militärstationen im Nahen Osten erreichen.

Zugleich gab sich der Iran im Atomstreit gesprächsbereit. Medienberichten zufolge will der iranische Chefunterhändler Said Dschalili neue Verhandlungen über das umstrittenes Atomprogramm anbieten. Die EU begrüßte das Gesprächsangebot. Voraussetzung sei allerdings, dass vom Iran keinerlei Vorbedingungen gestellt würden, teilte EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton über ihren Sprecher mit. Ähnlich äußerte sich auch Außenminister Guido Westerwelle. Er forderte den Iran zu „konkreten nachprüfbaren Taten“ auf. Es dürfe nicht bei vagen Ankündigungen bleiben.