"Himmel und Erde erschüttert"

Sogar die Berge weinen um Kim Jong-il

Nicht nur Menschen trauern um Nordkoreas Machthaber Kim Jong-il. Auch die Natur vergießt Tränen – auf ihre Weise. Beispiele über die Deutungslust der Staatsmedien.

In Nordkorea kennt die Trauer um den gestorbenen Machthaber keine Grenzen, die Interpretation der Medien zu gewissen Naturphänomenen auch nicht: Denn laut Staatsmedien trauert auch die Natur um Kim Jong-il. Nachdem Kim am Samstagmorgen gestorben sei, seien dicke Eisschichten auf dem See des als heilig verehrten Bergs Paektu mit einem ohrenbetäubenden Lärm eingebrochen, berichtete am Donnerstag die Nachrichtenagentur KCNA. Es habe geklungen "als seien Himmel und Erde erschüttert worden."

Kurz vor Kims Ableben habe der Himmel über dem Berg rot geschimmert. Auf dem Berg sei eine Botschaft zu lesen gewesen, die Kim auf den Felsen hinterlassen habe: "Paektu, heiliger Berg der Revolution. Kim Jong-il."

Der Paektu wird von Süd- wie Nordkoreanern nicht nur als heiliger Berg verehrt, im stalinistisch geprägten Nordkorea gilt er auch als Symbol der Herrscherfamilie. Den 1994 gestorbenen Begründer der Familie und "ewigen Präsidenten" Kim Il-sung und dessen Sohn umgab und umgibt noch immer ein gottgleicher Status.

Dieser wird von den Staatsmedien durch die Beschreibung übernatürlicher Phänomene unterstützt, die beide schon seit der Geburt begleitet haben sollen. Kim Jong-il, der den bizarren Personenkult von seinem Vater übernommen hatte, war nach der offiziellen Legendenbildung 1942 auf dem Paektu im Norden der koreanischen Halbinsel geboren.

Nach westlichen Quellen wurde Kim ein Jahr zuvor in einem sowjetischen Ausbildungslager im russischen Fernen Osten geboren.

Kim Jong-il, der das Land 17 Jahre lang mit eiserner Faust regiert hatte , war nach offizieller Darstellung im Alter von 69 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Seinen drittältesten Sohn, Kim Jong-un, den er schrittweise auf die Nachfolge vorbereitet hatte, soll nun die Kim-Dynastie an der Macht in dritter Generation fortsetzen.