Trauerfeierlichkeiten

Nordkorea nimmt Abschied von Kim Jong-il

Mit einer öffentlichen Trauerfeier nehmen die Nordkoreaner vom verstorbenen Militärmachthaber Kim Jong-il Abschied. Hunderttausende säumen bei starkem Schneefall die Straßen der Hauptstadt Pjöngjang, um dem "geliebten Führer" die letzte Ehre zu erweisen.

Foto: dapd

Die Zeremonie zur Beisetzung des langjährigen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il hat am Mittwoch in Pjöngjang begonnen. Wie die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass aus der nordkoreanischen Hauptstadt meldete, fing die erste Phase der aufwendigen Feierlichkeiten im Kumsusan-Mausoleum an. Dort war Nordkoreas verstorbener starker Mann in einem Glassarg aufgebahrt.

Das nordkoreanische Fernsehen strahlte zunächst Sendungen zu den Feiern aus und zeigte am Dienstag gedrehte Aufnahmen von Kim Jong-un, dem jüngsten Sohn und designierten Nachfolger des Verstorbenen, der sich vor dem gläsernen Sarg seines Vaters verneigte. Später folgte nach eigenen Angaben eine Live-Berichterstattung mit Bildern einer schwarzen Limousine, die mit einem riesigen Porträt des Verstorbenen an zehntausenden ehrfürchtigen Soldaten vorbeifuhr.

Dann kam eine andere Limousine mit einem weißen Blumengesteck, gefolgt von einem langen Wagen mit dem schwarzen Sarg des Verstorbenen, bedeckt von einer roten Fahne. Rechts vom Leichenwagen lief Kim Jong-un, gefolgt von seinem Onkel Jang Song Thaek. Auf der linken Seite eskortierten mehrere militärische Würdenträger den Wagen.

Bei der Zeremonie sollten im verschneiten Pjöngjang Hunderttausende Menschen von dem „Geliebten Führer“ Abschied nehmen. Die Fahrzeugkolonne soll mehrere Stunden lang durch die Straßen Pjöngjangs fahren.

Es wurde eine Trauerfeier nach dem Muster der Zeremonie von 1994 erwartet, als Kim Jong-ils Vater, der Staatsgründer Kim Il Sung, beigesetzt wurde. Damals nutzte die Führung des Landes die Möglichkeit, Loyalität für den neuen Führer zu demonstrieren. Demnach sind Salutschüsse und der Marsch von Militäreinheiten durch Pjöngjang, der Auftritt von Militärorchestern und Ehrerweisungen der Staatsführung zu erwarten. Kim Jong-il war am 17. Dezember 2011 im Alter von 69 Jahren gestorben. Die offiziellen Trauerfeiern sollen am Donnerstag mit drei landesweiten Schweigeminuten zu Ende gehen.

Zusammen mit der Bestattungszeremonie sollte auch die Position von Kim Jong-un weiter aufgewertet werden. Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete den Endzwanziger am Mittwochmorgen als „Obersten Führer der Partei, des Staates und der Armee“. Kim Jong-un ist auf die Einflussreichen im Staatsapparat, der Arbeiterpartei und der knapp 1,2 Millionen Mann starken Armee angewiesen, will er seine Macht wirklich festigen. Hoch gehandelt wird dabei sein Onkel Jang Song Thaek, der Mann von Kim Jong-ils Schwester Kim Kyong Hui. Er galt bislang als zweitmächtigster Mann im Land.

Aber auch Kim Kyong Hui selbst hat eine mächtige Position inne, ebenso wie Ri Yong Ho, Chef des Generalstabs der Streitkräfte, oder O Kuk Ryol, der im Zentralkomitee der Einheitspartei sitzt und großen Einfluss auf die Geheimdienste des Landes hat.

Die Beisetzungszeremonie dürfte erste Hinweise auf das künftige Machtgefüge in der Demokratischen Volksrepublik Korea geben. Denn welcher Würdenträger bei der Veranstaltung in welcher Reihe und in welcher Uniform auftritt, ermöglicht vorsichtige Rückschlüsse auf seinen künftigen Einfluss.

Nordkoreanische Regierungsgegner schickten unterdessen während einer Versammlung im südkoreanischen Paju an großen Ballons befestigte Flugblätter nach Nordkorea. Darin riefen sie zum Kampf gegen die „kommunistische Dynastie der Kims“ auf. Als Anreiz für die Lektüre der Flugblätter versahen sie diese mit Ein-Dollar-Scheinen.