Ägypten

Wieder Tote bei Zusammenstößen in Kairo

Die Proteste auf dem Tahir-Platz in Kairo gegen weiter: Demonstranten fordern ein Ende der Militärherrschaft in Ägypten. Das Militär reagiert mit äußerster Härte und schießt auf Demonstranten, die Zahl der Todesopfer stieg am Montag auf mindestens 14.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Mindestens drei Demonstranten sind am Montag bei erneuten Zusammenstößen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo nach Regierungsangaben getötet worden. Hunderte Soldaten in Schutzkleidung gingen am frühen Morgen gegen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz vor und eröffneten das Feuer. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesopfer der vergangenen vier Tage auf mindestens 14. Die Demonstranten fordern ein Ende der Militärherrschaft in dem nordafrikanischen Land.

Der Arzt eines Feldlazaretts auf dem Tahrir-Platz bezifferte die Opferzahl der Auseinandersetzungen am Montag hingegen auf sechs. Die jüngsten Auseinandersetzungen waren am Freitag auf dem zentralen Tahrir-Platz ausgebrochen. Der Anwalt Mohammed Asis teilte indes über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, ein Mann sei im Gewahrsam gefoltert worden und anschließend vor Gericht verstorben. Unklar war, ob es sich dabei um eines der vom Ministerium genannten Opfer handelte.

Ein Mitglied des Militärrates nannte die Proteste Teil einer Verschwörung gegen Ägypten und kritisierte die Berichterstattung über die Gewalt. So zeigten in Umlauf gebrachte Aufnahmen einen Soldaten, der mit einer Pistole auf Demonstranten feuert, wobei nicht klar war, ob er scharfe Munition benutzte. Weitere Aufzeichnungen zeigten Soldaten, die Frauen bei den Haaren packten und heftig schlugen oder auf am Boden kauernde Demonstranten eintraten.

Internationaler Druck wächst

Proteste richten sich unter anderem gegen den vom Obersten Militärrat eingesetzten Ministerpräsidenten Kamal el Gansuri. Dieser war bereits in den 90er Jahren Regierungschef unter dem bei einem Volksaufstand im Februar gestürzten Präsidenten Husni Mubarak. Die Demonstranten fordern Gansuris Ablösung sowie die rasche Machtübergabe an eine gewählte Zivilregierung.

Der Militärrat hatte die Macht vor zehn Monaten übernommen, nachdem ein Aufstand den langjährigen Präsidenten Husni Mubarak zum Rücktritt gezwungen hatte. Nun gerät das Militär international zunehmend unter Druck. US-Außenministerin Hillary Clinton und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatten bereits am Sonntag (Ortszeit) ein Ende des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten gefordert.

Clinton forderte die ägyptische Führung auf, diejenigen, die für die Verletzung dieser Rechte verantwortlich seien, zur Rechenschaft zu ziehen. Zugleich rief sie die Demonstranten dazu auf, von Gewalt abzusehen. UN-Generalsekretär Ban sei „alarmiert angesichts der überzogenen Gewalt, die Sicherheitskräfte gegen Demonstranten anwenden, und ruft die Übergangsregierung auf, mit Zurückhaltung zu handeln und Menschenrechte zu wahren, einschließlich des Rechts auf friedlichen Protest“, sagte sein Sprecher Martin Nesirky in New York. Es sei wichtig, Ruhe zu bewahren, um den Wahlprozess in Ägypten zu unterstützen, der Teil des Übergangs zur Demokratie und zur Errichtung einer zivilen Herrschaft sei.