Kaum Veränderungen

Zehntausende protestieren in Kairo für Reformen

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In Ägypten wächst der Unmut an dem regierenden Militärrat. Obwohl Monate im Amt, gibt es kaum Fortschritte. Die Proteste werden stärker.

Fünf Monate nach dem Sturz von Ägyptens Präsident Husni Mubarak haben am Freitag zehntausende Menschen auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos für weitere Reformen demonstriert. "Das Volk fordert die Erfüllung der Versprechen des arabischen Frühlings" stand auf Spruchbändern. Auch in Suez, Alexandria und anderen Städten folgten tausende Menschen dem Aufruf pro-demokratischer Jugendbewegungen und mehrerer politischer Parteien.

Der Imam, der das Mittagsgebet auf dem Tahrir-Platz leitete, rief die Menge in seiner Predigt auf, sich weiterhin für die "Realisierung der noblen Ziele der Revolution, die Wandel, Freiheit und soziale Gerechtigkeit sind," einzusetzen. Es bedürfe einer Regierung, "die fähig ist, die Sehnsucht des Volkes zu erfüllen, das sich für ein Leben in Würde erhoben hat", sagte der Vorbeter.

Tiefer Graben zwischen Ägyptern und dem Militär

Zu den Protesten hatten Jugendbewegungen und mehrere Parteien aufgerufen. Auch die Muslimbrüder schlossen sich nach anfänglichem Zögern dem Aufruf an. Ein Demonstrant trug ein Plakat, auf das er mit Bezug auf den Vorsitzenden des Militärrats, Hussein Tantawi, geschrieben hatte: "Wir haben keinen Wandel. Wir haben Mubarak gestürzt, doch einen Marschall bekommen."

Das Militär, das nach dem Sturz Mubaraks am 11. Februar die Macht übernommen hat, steht inzwischen verstärkt in der Kritik. Die Demonstranten fordern die Aufhebung des seit 1981 andauernden Ausnahmezustands und die Entlassung aller Vertrauten Mubaraks. Zudem sollen Zivilisten nicht länger vor Militärgerichten verurteilt werden.

Weitere Demonstrationen gab es am Freitag in Alexandria, Ismailija und Suez, wo sich ebenfalls jeweils mehrere tausende Menschen versammelten. In Suez hatte es zuletzt Zusammenstöße gegeben, als Demonstranten gegen die Freilassung von Polizisten protestiert hatten; die Polizisten waren an dem gewaltsamen Vorgehen gegen die Proteste Anfang des Jahres beteiligt und kamen auf Kaution frei. Nach offiziellen Angaben kamen damals knapp 850 Menschen ums Leben. Bisher ist nur ein Polizist in Abwesenheit für die Gewalttaten verurteilt worden.

Auch in dem Badeort Scharm al-Scheich am Roten Meer versammelten sich hunderte Demonstranten vor dem Krankenhaus, in dem Mubarak in Behandlung ist. Sie forderten die Verlegung des Ex-Präsidenten in ein anderes Krankenhaus, da seine Gegenwart in dem Badeort angeblich dem Tourismus schadet.

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