Reaktion auf Attacke in Teheran

Botschaftssturm - Großbritannien schlägt zurück

London weist iranische Diplomaten aus und zieht sein Personal aus Teheran ab. Deutschland beordert seinen Botschafter nach Berlin – eine schnelle Reaktion auf den Botschaftssturm. Teheran droht jetzt die Isolation.

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Nach dem Sturm auf ihre Botschaft in Teheran hat die britische Regierung alle Diplomaten abgezogen und die Schließung der iranischen Vertretung in London verlangt, auch Deutschland berief seinen Botschafter in Teheran zurück.

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"Die iranische Regierung muss wissen“, sagte der britische Premierminister David Cameron nach einer Sitzung des internen Sicherheitsgremiums Cobra zornig, „dass die Unfähigkeit, unser Personal zu schützen, ernste Folgen haben wird.“ Tatsächlich ließ die britische Antwort auf die Geschehnisse in Teheran, als ein wütender Mob die königliche Botschaft gestürmt und verwüstet hat, nicht lange auf sich warten.

Es war an Außenminister William Hague, den „gravierenden Verstoß“ gegen die Wiener Konvention zum Schutz diplomatischer Missionen, zu der sich auch der Iran verpflichtet hat, zu verurteilen und sogleich die britische Antwort zu verkünden: Großbritannien habe die Schließung der iranischen Botschaft in London angeordnet. Die iranischen Diplomaten müssten das Land innerhalb von 48 Stunden verlassen, sagte Hague. Zugleich gab er die Schließung der britischen Botschaft und den Abzug ihres gesamten Personals aus Teheran bekannt.

„Die Vorstellung, dass die iranische Regierung unsere Botschaft nicht hätte schützen können oder dass dieser Angriff ohne eine gewisse Zustimmung des Regimes hätte stattfinden können, ist absurd“, sagte der Außenminister.

Zudem betonte William Hague, dass die Schließung der Botschaften nicht den Abbruch, sondern lediglich die Herabstufung der diplomatischen Beziehungen auf ihre niedrigste Stufe bedeute. Die EU-Außenminister würden bei ihrem Treffen „weitere Maßnahmen diskutieren, die im Zusammenhang mit dem iranischen Streben nach Atomwaffen ergriffen werden müssen“.

Als einzige westliche Regierung unterband London bereits vor zehn Tagen den gesamten Verkehr britischer Banken mit Teheran und fror iranische Guthaben in Großbritannien ein. Das traf besonders die iranische Zentralbank, über die unter anderem die Geschäfte aus dem Ölexport des Landes abgewickelt werden, eine wichtige Finanzierungsquelle der iranischen revolutionären Garden.

Bereits jetzt erscheint die iranische Regierung zunehmend in der Defensive. Präsident Mahmud Ahmadinedschad beklagte vor Kurzem im Parlament den Schaden, den die Boykottmaßnahmen anrichteten: „Unser gesamter Bankverkehr, unser Handel, unser Import und Export. Alle unsere internationalen Vereinbarungen werden überwacht und blockiert.“

Traditioneller Feind

Bereits am Sonntag hatte das iranische Parlament mit überwältigender Mehrheit die Ausweisung des gerade neu ernannten britischen Botschafters Dominick Chilcott beschlossen, was der „Rat der Wächter“, den Ayatollah Chamenei kontrolliert, am Montag billigte. In London hatte man zudem mit aggressiven Demonstrationen gerechnet, war doch der Dienstag der erste Jahrestag der Ermordung des führenden iranischen Nuklearphysikers Madschid Schahriari, der am 29.November 2010 auf offener Straße in Teheran einem Attentat zum Opfer gefallen war, was man damals dem israelischen Geheimdienst Mossad zuschrieb. Aus dem Schahriari-Gedächtnisumzug entwickelte sich dann der Angriff auf die Botschaft. Ein großer Teil des Personals wurde inzwischen ausgeflogen.

Weil die USA („der große Satan“) seit der Khomeini-Revolution von 1979 keine diplomatischen Beziehungen mit Teheran mehr unterhalten, konzentriert sich das antiwestliche Ressentiment im Iran, neben Israel, ganz auf den „kleinen Satan“ Großbritannien. Ihn verfolgt die aufgeputschte iranische Wut mit gerade „obsessiver Inbrunst“, wie es Diplomaten in London bezeichnen, sieht Teheran doch in Großbritannien den traditionellen Feind iranischer Interessen.

Das reicht in der jüngeren Geschichte bis 1953 zurück, als die demokratisch gewählte Regierung Mossadegh die anglo-iranische Ölgesellschaft verstaatlicht hatte, woraufhin London den Sturz Mossadeghs anzettelte. Seitdem haben sich die Beziehungen Teheran–London nie wieder beruhigen können. Der laufende Konflikt um das iranische Atomprogramm gibt dabei dem antibritischen Ressentiment neuen Auftrieb.

Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani kritisierte die Entscheidung Londons. Die britische Regierung sollte die Aktion der Studenten nicht missbrauchen, um politisch daraus Kapital zu schlagen, forderte er. Das Außenamt verurteilte die Erstürmung der Botschaft und bezeichnete sie als eine spontane Aktion. Die Studenten hatten die Botschaft etwa zwei Stunden lang besetzt. Auch eine Wohnanlage britischer Diplomaten wurde angegriffen. Auf Fernsehaufnahmen war zu sehen, wie die Iraner Brandsätze warfen, die britische Flagge verbrannten und Scheiben zerstörten.

Die Bundesregierung bestellte den Botschafter im Iran zu Gesprächen nach Deutschland ein. Norwegen zog wie Großbritannien sein komplettes Botschaftspersonal ab.